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Betrug in Flensburg : Ikea-Masche: Polizei nimmt Familienbande in Haft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein weit verzweigtes Netzwerk „erleichtert“ Ikea per EC-Karten-Betrug um 200.000 Euro

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2017 | 06:03 Uhr

Flensburg | Die Masche ist auf den ersten Blick ganz einfach. Man bestellt bei Ikea ein Sofa, eine teure Lampe und vielleicht einen Tisch. Die Sachen lässt man sich gegen entsprechende Gebühr nach Hause liefern und bezahlt per EC-Karte an der Haustür. Was der Lieferant nicht weiß und so schnell nicht überprüfen kann: Das Konto, das zu der EC-Karte gehört, ist nicht gedeckt. Wenn das schwedische Möbelhaus das wenige Tage später festgestellt hat, sind die Möbel längst weg – und wer sie bestellt hat, lässt sich gar nicht mehr eruieren.

Das haben vier Männer im Alter von 21, 25, 32 und 41 Jahren offenbar eine ganze Zeitlang mit Erfolg praktiziert. Rund 200.000 Euro Schaden habe Ikea auf diese Weise erlitten, so die Polizei. Doch jetzt ist Schluss mit der Masche: Nach neun Durchsuchungen, an denen rund 80 Beamte beteiligt waren, wurde das Quartett festgenommen und sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Seit März 2017 ermittelte die Kriminalpolizei in einer zeitweise fünfköpfigen Gruppe zusammen mit der Staatsanwaltschaft gegen eine „mehrköpfige familiär verbundene Tätergruppe“. Diese aus Polen stammende Familie lebe seit rund 20 Jahren in Flensburg und sei Polizei und Staatsanwaltschaft hinreichend bekannt, heißt es weiter im Polizeibericht. Im Detail war die Masche dann doch nicht so einfach: Die Tatverdächtigen hätten osteuropäische Staatsbürger unter Versprechen falscher Tatsachen nach Deutschland gelockt. Mit diesen Personen seien Bankkonten eröffnet worden. Mit den EC-Karten, die es für diese – nicht gedeckten Konten – gab, gingen die Verdächtigen auf Einkaufstour bei Ikea.

„Die mutmaßlichen Bandenmitglieder gingen arbeitsteilig vor und agierten in unterschiedlichen Funktionen: Unter anderem als Vermittler, Käufer, Begleiter, Abholer und Lieferanten“, erläutert Polizeisprecher Christian Kartheus. Die Waren – es sollen überwiegend Möbel gewesen sein – wurden sodann entweder im Familienkreis verteilt oder verkauft. Schon im April seien vier Männer und Frauen aus dem weiteren Verwandtschafts- und Bekanntenkreis dieser Großfamilie in Untersuchungshaft genommen worden. Ihnen werde „die betrügerische Erlangung von Möbeln im Wert von ca. 100.000 Euro vorgeworfen“.

Die Masche ist wohl bei Ikea ein Einzelfall: „Wir haben keine Kenntnis von solchen oder ähnlichen Fällen in anderen Teilen Deutschlands“, sagt Sabine Nold aus der Pressestelle in Hofheim. „Wir begrüßen und unterstützen die Ermittlungen der Polizei. Um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden, führen wir schrittweise einen Order Check ein, der bereits bei der Aufgabe der Order nach verdächtigen Fällen sucht.“

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