Ideen für ein vergessenes Idyll

Macht sich stark für Twedter Mark: Jürgen Uwe Maßheimer, Naturschutzbeauftragter der Stadt, kämpft gegen eine schleichende Verwaldung des Parks. Foto: Dewanger
Macht sich stark für Twedter Mark: Jürgen Uwe Maßheimer, Naturschutzbeauftragter der Stadt, kämpft gegen eine schleichende Verwaldung des Parks. Foto: Dewanger

Jürgen Uwe Maßheimer, Naturschutzbeauftragter der Stadt, möchte den Landschaftspark Twedter Mark aufwerten

shz.de von
20. August 2012, 06:40 Uhr

Flensburg | Die Grasflächen haben lange keinen Rasenmäher mehr gesehen. Doch die Wege und Trampelpfade sind frei. Der Blick fällt weit über das leicht abschüssige Gelände, durch die Bäume im Hintergrund glitzert die Förde in der Morgensonne. Der Landschaftspark Twedter Mark ist eine grüne Oase im Nordosten der Stadt und braucht derzeit etwas Zuwendung. Die bekommt er jetzt vom Naturschutzbeauftragten der Stadt, Jürgen Uwe Maßheimer.

Eigentlich ist der nördlichste Landschaftspark Deutschlands kein Park im engeren Sinne. Er wurde nie systematisch bepflanzt oder angelegt, sondern hat sich aus einer früheren landwirtschaftlichen Nutzung zu dem entwickelt, was er heute ist. Da er zur niedrigsten Pflegestufe gehört, bleibt er weitgehend sich selbst überlassen, und das bedeutet, dass er langsam aber sicher seinen offenen Parkcharakter verliert und zu einem Wald mutiert. "Das geht mit Pioniergehölzen wie Pappeln und Erlen los", weiß Maßheimer und zeigt auf eine kleine Fläche, die dicht mit jungen Bäumen bewachsen ist. Die müssten regelmäßig beseitigt werden.

Im Jahr 1990 gab die Stadt ein Pflegekonzept in Auftrag, das bis heute gültig sei: "Das ist aus fachlicher Sicht bis heute richtig", sagt Maßheimer. In der jüngeren Vergangenheit gastierte bereits eine Wanderschafherde hier, was aus Maßheimers Sicht der Erhaltung des Parkcharakters dienlich war; es sei geplant, die Schafe erneut zu holen.

Auch einzelne größere Bäume könnten aus Sicht des Naturschutzbeauftragten verschwinden. "Es ist für einen Landschaftspark angemessen, Sichtachsen frei zu halten." Das betrifft hier vor allem den Blick auf die Förde, der den besonderen Reiz dieser Fläche ausmache. Im Gegenzug könne man auf ansonsten freien Flächen markante Einzelbäume frei stellen, indem man kleinere in seiner unmittelbaren Umgebung fällt.

Hauptwunsch Maßheimers ist eine "Beförderung" des Parks in eine höhere Pflegestufe, so dass Trupps des Technischen Betriebszentrums häufiger als bisher in den Park kommen, um regulierend einzugreifen. Denn außer der schleichenden Verwaldung habe man es mit so genannten Neophyten zu tun, also eingewanderten Pflanzen, die hier hervorragende Lebensbedingungen finden und sich zu Lasten einheimischer Arten breit machen: Bärenklau, Kartoffelrose, Knöterich, Traubenkirsche. Denkbar sei zudem eine ehrenamtliche Betreuung durch Privatpersonen und Vereine wie den Nabu. In der IG Fahrensodde mache sich einer der Bewohner für den Erhalt und die Weiterentweicklung des Landschaftsparks stark.

Die 17 Hektar große Fläche gehörte vor deren Eingemeindung nach Flensburg zum kleinen Dorf Twedt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier ein Flüchtlingslager untergebracht, nach Maßheimers Informationen residierte hier auch mal ein Reitverein.

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