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Umstrittener Trainer : „Ich verabschiede mich vom Tanzen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hip-Hop-Formation „Groove Eagles“ aufgelöst. Flensburger Tanzclub stärkt Trainer den Rücken

Tanzlehrer E. wirft das Handtuch. Aus den Vorwürfen, die ihm von Eltern der von ihm trainierten Formation „Groove Eagles“ sowie vom Veranstalter „Hip Hop International Germany“ gemacht wurden, hat er nun die Konsequenzen gezogen. Er postete in seiner WhatsApp-Gruppe an die Adresse seiner Schützlinge, es tue ihm „unendlich leid, dass es so gekommen ist, wie es jetzt aussieht. Ich wollte euch nie etwas Böses, ich wollte mich nie an euch bereichern“. Zuvor hatte er das Gruppenbild aus dem Chat gelöscht. Vorgestern schließlich das Adieu: „Ich verabschiede mich vom Tanzen“, schob er nach, „und bitte euch, aus dieser Gruppe auszusteigen.“ Ein Teil der Tänzer hat die Mitgliedschaft inzwischen gekündigt.

E. wird des Betruges bezichtigt. So soll er, wie berichtet, von den Kindern und Jugendlichen Startgelder für Turniere kassiert und nicht in voller Höhe abgeführt haben. Eltern werfen ihm intransparentes Verhalten und Vorspiegelung falscher Tatsachen vor. Er soll einen Pokal gefälscht und seinen „Groove Eagles“ wider besseren Wissens den Start bei den „Hip Hop International Championships“ in Las Vegas versprochen haben. Das ist inzwischen Makulatur, weil sich die Flensburger Tänzer definitiv für das Großereignis nicht qualifiziert haben. Nach Auskunft von Eltern ist der Vorgang für die Schüler und Azubis eine kleine Tragödie. Tränen seien nach dieser Enttäuschung und wochenlangem harten Training geflossen. E. habe mit Hoffnungen gespielt, die er gar nicht hätte erfüllen können.

Unterdessen haben „vom Sachverhalt Betroffene“ Strafanzeige beim K8 der Bezirkskriminalinspektion Flensburg erstattet, wie Kripo-Sprecher Matthias Glamann bestätigt. Es sei ein Ermittlungsverfahren wegen Betruges eingeleitet worden. „In über zehn Fällen kam es den Angaben von Geschädigten zufolge zu Bestellungen und Buchungen verschiedener Leistungen, die nicht entsprechend erfolgt seien.“

Auch der Veranstalter HHI International Germany als Lizenznehmer für die nationalen Vorentscheide erhält seine Vorwürfe aufrecht. „Es handelt sich hier um eine Markenrechtsverletzung“, sagt Nadine Wegner, Vizedirektorin des Verbandes. Der Name sei unberechtigt benutzt worden, mit ihm seien Sponsorengelder gesammelt worden, man prüfe derzeit juristische Schritte. Die Glaubwürdigkeit nicht nur der Organisation selbst, sondern der gesamten Branche sei durch das Verhalten E.s in Frage gestellt worden.

Betroffen sei möglicherweise auch der Mutterkonzern in Los Angeles. „Das wird dann richtig teuer!“ Sie stellt klar: „Eine Gruppe unter seiner Leitung wird bei uns nie mehr starten.“ Das habe nicht mit den Tänzern selbst zu tun, die sich so sehr auf Las Vegas gefreut hätten. „Das Ganze trifft mich mitten ins Tänzerherz.“

Der Flensburger Tanzclub, unter dessen Dach die Groove Eagles formiert sind, spricht indes von einer „Hetzkampagne“ in den Medien, wie es in einem Aushang heißt. Zwar habe es in der Tat keine Qualifikation zur WM gegeben, doch E. sei „von einem Dritten arglistig getäuscht“ worden. Es wird kolportiert, dass der Pokal dem Trainer in einem Paket anonym zugeschickt worden sei, die Bestätigung für die Qualifikation sei ebenfalls anonym per E-Mail eingegangen. Der Verein bekräftigt, dass „die Masterformation im Streetdance aufgelöst wurde“, während man den Trainer in den Tanzkreisen und anderen Gruppen einsetzen wolle.

E. äußerte sich gestern erstmals gegenüber unserer Zeitung: „Ich habe einen Freund gebeten, alle Geldangelegenheiten für die Gruppe zu regeln und zu dokumentieren, weil ich seit meiner Verurteilung immer in Sorge lebe, dass mir meine Vergangenheit zum Verhängnis wird. Ich war kaufsüchtig, ich habe betrogen und ich bin verurteilt worden. Ich habe dafür gebüßt.“

Aus den Unterlagen, ergänzt der Vorsitzende des Flensburger Tanzclubs, Thomas Mühlhausen, gehe eindeutig hervor, dass der Trainer keine Startgelder veruntreut oder betrügerische Absichten verfolgt habe. „Auch für ihn sind Träume zerplatzt. Er hat sich genauso gefreut wie alle anderen. “ Für die Reise seien keine Gelder eingesammelt worden. Auch Sponsorengelder seien nicht geflossen. Letztere wären sowieso über den Verein gegen Spendenquittung gelaufen.

Somit sei im juristischen Sinne kein Schaden entstanden. „Zerplatzte Träume sind schrecklich ärgerlich und traurig, aber keine Straftat“, so Mühlhausen. „Wir möchten zu einer Kultur der Freude und des respektvollen Miteinanders zurückkehren. Unser Trainer hat mit seinem Können und seinem herzlichen Engagement die Gruppe zu Tanzleistungen beflügelt und gefördert.“


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erstellt am 02.Jun.2016 | 08:58 Uhr

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