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Ehrenamtliche Helfer : „Ich lebe von Zug zu Zug“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Serie „Die Helfer vom Bahnhof“: Die Kleiderkammer ist eine beliebte Anlaufstelle.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Johanna Hinrichsen, 30 Jahre alt, ist begeistert von der nicht abreißen wollenden Spendenbereitschaft der Flensburger. Vom ersten Tag an ist sie bei der Willkommensinitiative für Flüchtlinge am Bahnhof dabei, hilft immer nach der Arbeit in der Kleiderkammer mit. Inzwischen ist sie zur Koordinatorin für die Kleider-Helfer geworden, oder, wie eine Kollegin sagt, „zum guten Engel“.

Die Berufsschullehrerin ist froh, wenn sie in diesen Tagen vier Stunden Schlaf bekommt, sie lebt nur „von Zug zu Zug“, erzählt sie. Denn mit jeder Flüchtlingsladung verändert sich die Situation in der Kleiderkammer. Mal kommen nur Männer, dann wieder ganz viele Familien und manchmal auch nur Frauen mit ihren Kindern an.

Vor allem warme Winterjacken verteilt Johanna Hinrichsen in diesen Tagen. „In Größe M versinken aber schon viele, sie sind alle so abgemagert, wenn sie hier ankommen!“ Immer öfter bekommen Männer deshalb Frauenjacken. Mützen begegnen die Flüchtlinge skeptisch. „Ich glaube, so etwas kennen sie nicht.“ Um sie von dem wärmenden Kleidungsstück zu überzeugen, haben die Helfer gestern ein Schild gebastelt. Die jungen Leute darauf, mit Mützen auf dem Kopf, sollen die Geflohenen aufmuntern, zuzugreifen. Besonders die Syrer seien sehr modebewusst, erzählt sie. Schwarze Kleidung und Leder stehen hoch im Kurs.

Der 43-jährige Mario Roth ist für die Annahme und die Einlagerung der Spenden zuständig. Gerade bekommt er die Zusage, dass Familie Petermann von der Firma Muttersbach der Willkommensinitiative 500 Quadratmeter Stauraum zur Verfügung stellt – unbefristet. Das Lager schließt sich direkt an das Bahnhofsgelände an. Roth ist erleichtert. In den nächsten Stunden soll hier ein Kühlraum entstehen, die Kleidung kann endlich sortiert und beschriftet in Kartons verstaut werden.

Seit drei Tagen gibt es allerdings ein Problem am Bahnhof: Einige Trittbrettfahrer kämen zur Kleiderkammer, bedienten sich systematisch an neuwertigen Markenklamotten und verschwänden mit vollen Koffern in einem Taxi, erzählt Hinrichsen traurig. „Wir müssen alle fair zueinander sein“ – nur so könne die Hilfsaktion weiterhin funktionieren.

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