25 Jahre Hospiz in Flensburg : „Ich habe keine Angst vor dem Tod“

In der Ruhe liegt die Kraft: Seit zehn Jahren stellt der Gelsenkirchener Heinz Knoblauch seine Stärken in den Dienst des Hospiz.
In der Ruhe liegt die Kraft: Seit zehn Jahren stellt der Gelsenkirchener Heinz Knoblauch seine Stärken in den Dienst des Hospiz.

Heinz Knoblauch ist gelernter Maschinenschlosser – Sterbenden im Hospiz gibt er Ruhe und Kraft, er selbst schöpft sie aus dem Glauben

shz.de von
26. Juni 2017, 07:20 Uhr

Zum 25. Geburtstag des Katharinen-Hospiz stellt das Tageblatt jeden Monat einen Ehrenamtler vor – heute: Trauerbegleiter Heinz Knoblauch.

Diesem Mann traut man zu, dass er ein Schiff durch den stärksten Sturm steuert – und dann in aller Gelassenheit. Heinz Knoblauch darf mit Fug und Recht ein ruhender Pol genannt werden. Bedächtig hört er zu, mustert seinen Gesprächspartner aufmerksam, hat auf jede Frage eine Antwort. Ihm würde man durchaus das eigene Auto anvertrauen, er und seine Frau sind die Nachbarn, die man bittet, im Urlaub aufs Haus aufzupassen, und Heinz Knoblauch leistet Hilfe, wenn jemand anderes sie braucht. Etwa ein Sterbender im Hospiz. Aufmerksam, einfühlsam, mitfühlend, vollkommen ruhig – so stellt man sich den typischen Hospizhelfer vor.

Die Frage nach einem Fototermin in einer Umgebung, die ihm Kraft gibt, stellte sich nicht. Heinz Knoblauch sitzt nach einem bösen Sturz und Knochenbrüchen im Rollstuhl. Nicht, dass er niedergeschlagen wäre. Das lässt seine Mentalität nicht zu. In einem halben Jahr könne er den Rollstuhl wieder verlassen, lautet die Prognose. Und die jüngsten Untersuchungen geben Grund zum Optimismus. Die Umgebung, die ihm Kraft gibt, ist zweifellos sein Zuhause. Von der Terrasse seines Hauses fällt der Blick auf die Wiesen von Schausende. Von der Ostsee zieht der frische Duft des Wassers in den Garten.

Nächstes Jahr feiert er den 80. Geburtstag und steht noch immer voll im Leben. Der gelernte Maschinenschlosser kam aus Gelsenkirchen an die Ostsee. Hier hatte er eine neue Idee für sein Einkommen: Er stellte für eine Universität einen Studienführer zusammen, mit Vorlesungsverzeichnis und Hinweisen für Studenten. Das Büchlein schlug so gut ein, so dass er insgesamt für 20 Unis arbeitete. Heute sind es noch zehn, die anderen präsentieren sich im Internet. „Aber ich habe mein Auskommen.“ Und ein Ende ist nicht in Sicht – „der Kopf funktioniert noch, telefonieren und am Computer arbeiten kann ich auch.“

Im Gespräch über die Hospizarbeit bemerkt Heinz Knoblauch, dass er jetzt zehn Jahre als Helfer gearbeitet hat. Den Anstoß zum Einstieg gab die tödliche Krankheit, unter der der Bruder seiner Frau litt. Die häufigen Besuche und der Humor von Heinz Knoblauch erleichterten die letzte Phase des Lebens. Damals hörte er vom Katharinen-Hospiz am Park, damals kam ihm in den Sinn, das könnte eine Beschäftigung für ihn sein. Seine Frau bat ihn noch, ein halbes Jahr zu warten, um die Eindrücke zu verarbeiten. Aber dann stieg Heinz Knoblauch im Hospiz ein mit den üblichen Vorbereitungslehrgängen. Vier Menschen hat er bis an ihr Lebensende begleitet.

Wie geht er mit den Eindrücken um, die er in der letzten Lebensphase eines Menschen verarbeiten muss? „Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, ich fürchte mich vor einem qualvollen Sterben. Ich habe ein gesundes Verhältnis zum Thema Tod.“ Festen Halt gibt ihm der Glaube an Gott.

Wenn der Mensch gestorben ist, den Knoblauch über Wochen und Monate begleitet hat, wird das eine Belastung für ihn? „Nein“, bei einer Tasse Kaffee oder einem Bier könne er die Eindrücke hinter sich lassen.

Edith Knoblauch bestätigt: „Mein Mann leidet mit den kranken Menschen mit. Er ist liebevoll, mitfühlend, ausdauernd und hilft mit seinem Humor. Aber das Lebensende eines Sterbenden nimmt ihn nicht seelisch mit. Wenn er nach Hause kommt, ist er zufrieden.“


Kontonummer Katharinen-Hospiz am Park:

IBAN DE24 2175 0000 0000 0563 40;

Kontonummer Hospiz-Förderverein:

IBAN DE912175 0000 0022 0556 07.


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