Sauberer Advent am Nordertor : I.C.-Möller-Platz wird aufgepeppt

Einsame Tanne: Doch der Christbaum soll erst der Anfang einer Reihe von Aktivitäten auf dem Platz sein. Foto: dewanger
Einsame Tanne: Doch der Christbaum soll erst der Anfang einer Reihe von Aktivitäten auf dem Platz sein. Foto: dewanger

Initiative von Anliegern und Einrichtungen / Kurzfristig wurde ein Weihnachtsbaum aufgestellt / Wohin mit den Menschen, die hier stehen?

shz.de von
02. Dezember 2011, 04:45 Uhr

Flensburg | Der I.C.-Möller-Platz ist nicht gerade der Platz, den der durchschnittliche Flensburger über alles liebt - wenn er denn überhaupt weiß, wo er liegt. Zwischen Nordertor, Volksbad, Phänomenta und der Straße Am Nordertor halten sich meist Menschen auf, die ihre Getränke gern draußen und in geselliger Runde einnehmen. Dies geht in der Regel nicht ohne Nebenwirkungen. Der Platz an Flensburgs Wahrzeichen und an einer der wichtigsten Touristen-Attraktionen ist oft mit Scherben und Müll übersät, von Graffiti verziert und riecht.
"So geht es nicht weiter", dachte und sagte eine Frau, die das Geschehen auf dem Platz aus nächster Nähe verfolgen kann. Sabin Stein betreibt seit einem Jahr an der Ecke Norderstraße/Am Nordertor ein Schmucklädchen, kombiniert mit einem kleinen Café. "Im Sommer fließt hier auch schon mal Blut, und es kommt häufiger der Notarztwagen", hat die Schwäbin beobachtet. Damit soll jetzt Schluss sein. Sabin Stein hat vor einer gute Woche mit der Aktion "Der I.C.-Möller-Platz muss schöner werden" begonnen.
Inzwischen sind diverse Nachbarn aus der Norderstraße, aber auch aus dem Innovationszentrum an der Schiffbrücke mit im Boot. Am Mittwoch wurde ein Weihnachtsbaum mit Beleuchtung aufgestellt. Fast noch wichtiger waren jedoch die Vorarbeiten: Sabin Stein rief vor einer Woche im Rathaus an und stieß auf offene Ohren. In kürzester Zeit beauftragte Jochen Petersen (Kommunale Immobilien) mehrere Fachfirmen: ein Spezialunternehmen zum Reinigen der Natursteinmauer, eine Malerei zum Entfernen des Graffiti und für den Neuanstrich in der Nordertor-Unterführung, am Volksbad und an den Säulen der Arkaden sowie eine Gebäudereinigung zum Reinigen der Glasdächer. Seit Anfang der Woche sieht der Platz picobello aus, und alle hoffen, dass es möglichst lange so bleibt.
Denn Sabin Stein und ihre Mitstreiter planen langfristig. "Hier ist Flensburgs Wahrzeichen, hier ist die Phänomenta. Hier kommen Schulklassen, Familien und Touristen. Die kann man hier nicht so empfangen!" Maike Callesen vom Friseursalon "Multi-Kulti" zeigt sich begeistert: "Endlich bewegt sich etwas! Ich freue mich auf das nächste Jahr und bin gern bereit, meine Freizeit zu opfern." Denn es soll etwas passieren auf dem Platz: ein Kunstmarkt vielleicht, Draußen-Gastronomie, Konzerte. Am 17. und 18. Dezember feiert Sabin Stein den ersten Geburtstag ihres Ladens mit mehreren Aktionen und Angeboten, so im Nachbarhaus Richtung Hafen.
Mit der Stadt habe man darüber gesprochen, die Durchbrüche in der Mauer zu öffnen und barrierefrei auszubauen; die Mauern selbst sollten aber bleiben. Offen ist die Frage, was mit den Menschen geschehen soll, die sich bisher auf dem Platz aufgehalten haben. "Wir sprechen auch mit diesen Menschen", so Sabin Stein. "Die brauchen einen festen Raum hier im Viertel mit Heizung und Toilette", sagt Immobilienmaklerin Ingrid Ohm-Sarkany; sie habe sich in Kiel die "Trinkerhalle" angeschaut und meint, dass so ein Angebot auch hier Sinn machen würde. Da sehen die Aktiven vom Nordertor allerdings die Stadt in der Pflicht.

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