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Führung St. Marien : Hüter und Kenner der Kirchenschätze

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Rundgang mit Michael Klinger durch die Stadtkirche St. Marien liefert wertvolle Anregungen. Das Bauwerk beherbergt unglaubliche Schätze, die es wert sind, der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden.

Flensburg | Seit knapp zwei Jahren ist Sylvia Fuchs Pastorin der Marienkirche am Nordermarkt. Nach ihrem Amtsantritt hat sie Mitglieder ihrer Gemeinde angesprochen, ob sie sich als so genannte „Kirchenhüter“ betätigen wollten. Aus ersten Interessierten ist mittlerweile ein lockerer Kreis von Gemeindemitgliedern entstanden, die ein Ziel eint: Sie möchten anderen Menschen „ihre“ Kirche näher bringen. Einige haben sich jedoch schnell von potenziellen Kirchenhütern (solche werden immer noch gesucht) weiter entwickelt – zu sachkundigen Führern, die inhaltlich über die Geschichte und die reichhaltige Ausstattung einer der Flensburger Hauptkirchen informieren – ein neues Angebot in der Stadt, nicht nur für Touristen.

Einer der Kirchenführer ist Michael Klinger. Am vergangenen Mittwoch hat er erstmals eine kleine Besuchergruppe durch St. Marien geführt. Dabei vermittelte er Einblicke in Architektur, stadthistorische Verknüpfungen und Kirchenausstattung – sehr fundiert und verständlich vorgetragen. „St. Marien beherbergt unglaubliche Schätze, die es wert sind, der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden“, sagte Klinger, der als Kaufmann in der benachbarten Neuen Straße tätig ist.

So erfuhren die Teilnehmer, dass die Kirche ein gotischer Backsteinbau ist, der vermutlich um 1165 unter König Waldemar I. errichtet wurde und zunächst keinen großen Turm aufwies. Bei dem Rundgang um das Gebäude wies Klinger auf den Anbau von Treppenhaus und Sakristei auf der Nordseite im neogotischen Stil hin. Im Inneren folgten weitere Stationen, so die große Südkapelle, die mit zwei Epitaphien (Grabdenkmälern) echte Schätze der Renaissance enthält. Eine bezieht sich auf den früheren Bürgermeister Dietrich Nacke, einen westfälischen Kaufmann, der in Flensburg zu großem Handelsreichtum gelangte; sein Nachlass finanzierte auch den üppig verzierten Hochaltar sowie die Kanzel mit dem kuriosen Stundenglas – die kunstvollen Schnitzarbeiten wurden jeweils von Heinrich Ringerink gefertigt. Die zweite Epitaphie enthält laut Klinger die älteste gemalte Stadtansicht Flensburgs: „Sie ist so exakt, dass sie von Historikern bis heute als Referenz genutzt wird.“

Im weiteren Verlauf der Führung wurden die Teilnehmer detailliert über den Hochaltar informiert, der naturgemäß eine eigene Führung verdient hätte. Interessant waren auch die Ausführungen über den Kirchenfenster-Konflikt zwischen Käte Lassen und dem Nachkriegskirchenvorstand, die Stilmerkmale unterschiedlicher Epochen in der Kirche sowie die Erläuterung zu einem „echten“ Rembrandt in St. Marien. Bis Ende September bietet Michael Klinger seine Führungen an – immer mittwochs um 14 Uhr.

Und wie reagierten die Teilnehmer? „Das war eine sehr informative Führung“, sagte Renate Braasch, die seit fünf Jahren in Flensburg lebt. Ähnlich angetan, insbesondere von den vielen Details, war Gerda Behr, die mit ihrem Mann die Führung mitgemacht hatte. „Auch ich habe in diesem lebendigen Vortrag viel gelernt“, bekannte zudem Pastorin Sylvia Fuchs, die jetzt noch genauer weiß, wie außergewöhnlich ihre Kirche ausgestattet ist.

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erstellt am 19.Aug.2015 | 14:30 Uhr

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