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A7 bei Flensburg-Harrislee : Horror-Unfall im Grenz-Stau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein 64 Jahre alter Fahrer stirbt bei Kollision mit Lkw gestern Morgen auf der A7 kurz hinter der Abfahrt Flensburg-Harrislee.

Harrislee | Das Ende des Staus war auch das Ende eines Lebens. Gestern früh um 7.45 Uhr raste ein silberner Mercedes auf der Autobahn 7 zwischen der Anschlussstelle Harrislee und dem deutsch-dänischen Grenzübergang Ellund unter einen polnischen Lkw, obwohl dessen Warnblinklicht eingeschaltet war. Der Fahrer verstarb noch an der Unfallstelle. Zur Ursache des Unglücks gibt es derzeit noch keine Angaben.

Der 64-Jährige muss sehr schnell unterwegs gewesen sein. Wie schnell, vermochte Polizeisprecherin Franziska Jurga gestern nicht zu sagen. Der Mann fuhr die neue S-Klasse. Je nach Motorisierung erreicht die Limousine eine Höchstgeschwindigkeit von mindestens 250 Stundenkilometern. „Wir müssen erst die Ergebnisse des Sachverständigen abwarten“, sagte Jurga. Dieser wurde von der Staatsanwaltschaft Flensburg hinzugezogen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Umstände eines schweren Unfalls ungeklärt oder Todesopfer zu beklagen sind. Fest steht: Die Sicht war an diesem Morgen nicht durch Nebel behindert, es gab keine Glätte auf der Straße. Warum der Fahrer, der aus einem kleinen Ort im Landkreis Mecklenburg-Strelitz stammt, ungebremst auf dem Hauptfahrstreifen in das Ende des drei Kilometer langen Staus fuhr, ist völlig offen. Abgelenkt, eingeschlafen? „Man kann auch medizinische Gründe wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht ausschließen“, sagte Franziska Jurga. Die Ermittlungen könnten noch einige Tage in Anspruch nehmen.

Der Abschnitt, an dem es zu der folgenschweren Kollision kam, ist nicht durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung geregelt. Erst einen Kilometer vor der Grenze muss das Tempo auf 100, wenig später auf 80 km/h gedrosselt werden. Auf dänischer Seite, nachdem die Autos von der Überholspur auf die rechte Seite wechseln müssen, gilt Tempo 60. Seit Dänemark die umstrittenen Kontrollen wieder eingeführt hat, gibt es regelmäßig Staus an der Grenze. „Das kann zu unterschiedlichsten Zeiten sein“, sagte ein Beamter des Polizei-Autobahn- und Bezirksreviers Nord in Schuby. „Selbst nachts kann das passieren.“

Wegen des Sonntag-Fahrverbots für Lastkraftwagen sind allerdings die Morgenstunden des Montags für einen Stau geradezu programmiert. „Es macht sicherlich Sinn, Warnhinweise auf einen möglichen Stau zu installieren“, meinte der Autobahnpolizist, der gestern früh mit fünf Kollegen im Einsatz war. Den Rettungskräften bot sich ein grauenvolles Bild. Der Daimler hatte sich bis zur Hälfte unter den mit 22 Tonnen Stahl beladenen Sattelschlepper gebohrt. Dieser musste angehoben werden, um den Toten zu bergen. Mit einer Seilwinde wurde das Fahrzeug herausgezogen. Die A7 war bis zum Mittag gesperrt. Glück im Unglück: Der 40-Tonner wirkte wie ein schützender Puffer für die vor ihm stehenden Fahrzeuge. Wäre der Mercedes auf einen Kleinwagen aufgefahren, wäre das Ausmaß des Unglücks noch verheerender gewesen.

Für das Aufstellen von Warnschildern – Hinweistafeln mit LED-Schrift, die über die augenblickliche Verkehrslage informieren – ist der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) zuständig. Flensburg müsste im vorliegenden Fall eine Anordnung des Betriebssitzes in Kiel umsetzen. Ob es dazu kommt, muss bezweifelt werden. Zwar gab es am 19. Februar bereits einen Unfall auf dänischer Seite – mit einem Schwerverletzten. Doch der Grenzübergang Ellund ist kein Unfallschwerpunkt. Noch nicht.








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erstellt am 01.Mär.2016 | 07:30 Uhr

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