Holz und Schrot im Zeichen der Mühle

Wo einst eine Motormühle knatterte, wirtschaftet ein Tischlerbetrieb - und ein Müller zieht nach sechs Jahren Bilanz

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24. Mai 2012, 07:08 Uhr

Mohrkirch/Schwensby | Der plattdeutsche Firmenname "De Lütte Discherie" ist für André Knoop weniger Werbegag als Bekenntnis - ein Bekenntnis zu seiner Heimat, die ihn und seine Arbeit prägen. Holz ist für den Tischlermeister nicht nur ein Werkstück, das es zu bearbeiten gilt. Holz ist für ihn Ausdrucksmittel, seine Kreativität und ein Stück nordische Lebensart zu dokumentieren.

Massenware lehne er ab. Seine Kunden kommen aus dem Privatbereich - meist kleine Unternehmer, die etwas Besonderes wollen: der Friseurladen in Massivholz, die Bibliothek aus massiver Eiche und die Apotheke in Eckernförde im "Old-English-Style". Manch einer, der seine Arbeit sieht, gerät ins Schwärmen.

André Knoop wurde in Hasselberg geboren, lernte in der Tischlerei Franke in Gelting, verbrachte einige Gesellenjahre in Barkelsby und war dann Betriebsleiter in einer Kieler Tischlerei. Sein Meisterstück 1988 war eine runde Treppe. Danach machte er sich in Rieseby selbstständig, richtete einen Betrieb in Ulsnis ein und kaufte vor einem halben Jahr in Mohrkirch das "Müller-Haus" im Ortskern. Ein ortsprägendes Gebäude, in dem ein Jahrhundert lang ein Kaufmannsladen war. Zuletzt war das Gebäude unbewohnt, dem Verfall preisgegeben.

Nur wenige Tage, nachdem André Knoop mit dem Umbau begonnen hatte, wurde deutlich, dass hier ein Unternehmer tätig wird, für den alte Gebäude eine Herausforderung sind.

"Die Werkstatt ist die Visitenkarte des Tischlers", findet Knoop. Das gilt für das Gebäude wie für das Umfeld. Allein 56 Fenster mussten erneuert werden. Innen wurde eine Werkstatt eingerichtet mit modernen Holzbearbeitungsmaschinen, aber auch mit Umwelttechnik vom Feinsten. Die Späne werden abgesaugt, landen in einem Behälter, in dem sie zu Pellets gepresst werden. Zur Bearbeitung des Holzes würden nur umweltfreundliche Lacke und Öle verwendet. "Wo andere sagen, das machen wir nicht, da fangen wir an", lautet eine Firmenphilosophie. In der Werkstatt sind acht Mitarbeiter tätig, die zum Teil auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken können.

Ein zweiter wirtschaftlicher Zweig auf dem Gelände war einst der Betrieb einer Mühle. Heinrich Müller erbaute im hinteren Gelände eine Motormühle. Der Standort war durch die unmittelbare Nähe zur Eisenbahn günstig. Am 5. Oktober 1967 vernichtete ein Feuer die Mühle.

Auf einem anderen historischen Müller-Gelände der Region indes ist vor Jahr und Tag wieder das ursprüngliche Wirtschaften eingekehrt. Seit mittlerweile sechs Jahren hat Müllermeister Walter Skau die Mühle "Renata" in Schwensby bei Sörup wieder zur echten Betriebsmühle gemacht. Unter der Ägide eines Mühlenvereins mahlt Skau wieder echtes Schrot. "Wir haben die Selbsterhaltungsgrenze erreicht", sagt der Müller. Er beliefert mittlerweile ein halbes Dutzend kleinere Bäckereien in Dreieck Flensburg - Kappeln - Schleswig sowie vier Edeka-Läden mit Schrot. Schwierig ist es für ihn, mit größeren Bäckereien ins Geschäft zu kommen, die immer präzise gleichbleibend definierte Qualitäten verlangten: "Große Bäckereien können keine 30 Brote mehr, sondern nur noch 3000", hat Skau festgestellt. Skau, der einst kurz davor war, der Flensburger Johannismühle wieder Leben einzuhauchen, öffnet in Schwensby täglich von 9 bis 18 Uhr - am Pfingstmontag ist er von 10 bis 18 Uhr da.

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