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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 17:26 Uhr

Holpriger Start für „Villa Käthe“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Noch keine Betriebserlaubnis: Einrichtung an der Roonstraße kann statt im Juli voraussichtlich erst im November eröffnen

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2016 | 15:48 Uhr

Der ersten Signale ließen hoffen. Mit großen Ambitionen garniert, wurde Anfang Februar in einer 1905 erbauten Traumvilla auf der Westlichen Höhe die symbolische Grundsteinlegung gefeiert. In dem repräsentativen, 550 Quadratmeter großen Gebäude an der Roonstraße entsteht eine Kita, ausgelegt für die Betreuung von 65 Kindern bis zum Alter von sechs Jahren. Geplante Eröffnung der „Villa Käthe“: Freitag, 1. Juli.

Doch daraus wird nichts. Es liegt keine Betriebserlaubnis vor. Dafür aber etliche Anmeldungen. Nun muss die am Stadtpark gelegene Einrichtung improvisieren, was die Unterbringung ihrer Schützlinge betrifft. Zudem droht Ärger durch die unmittelbare Nachbarschaft.

Zum Beispiel in Person von Hartmut Ehler. Der ist wenig begeistert von der Idee, eine Kindertagesstätte mitten in ein denkmalgeschütztes Haus im Wohngebiet zu pflanzen. „Die Auflagen, um das Gebäude nutzungsgerecht umzubauen, dürften nur schwerlich zu erfüllen sein“, sagt der Steuerberater. Er wisse aus städtischer Quelle, dass der Bauantrag immer noch nicht vollständig und entscheidungsreif sei. Ehler lässt sich anwaltlich beraten und hat bereits im Januar in einem Schreiben an Oberbürgermeister Simon Faber seine Bedenken dargelegt. Die für ihn völlig unverständliche Antwort: Die erforderlichen Änderungen seien überwiegend mit den Belangen des Denkmalschutzes vereinbar.

Was ihn endgültig auf die Palme bringt, ist die Einschätzung Fabers, dass die „ausgebaute Straße den zusätzlichen Verkehr durch die Einrichtung einer Kita aufnehmen kann“. Das sieht der Anwohner anders. Die schmale Straße, schildert er, sei chronisch zugeparkt, Bürgersteig inklusive. „Die Situation ist eine einzige Katastrophe.“ Auch das neu gegründete Forum Westliche Höhe hat das Thema auf der Agenda. In einem Statement heißt es, ohne totalen Verkehrsstau sei es unmöglich, morgens 65 Kinder abzuladen. Man verweist darauf, dass die Kita neben den drei geforderten Stellplätzen am Haus sechs Plätze auf einem Garagenplatz an der Wrangelstraße angemietet habe, die ausschließlich für das Bringen und Abholen der Kinder zur Verfügung stehen sollen. „Die aber liegen über 150 Meter weit entfernt.“ Im Übrigen verfügt das Forum über Informationen, wonach das Essen teilweise von einem externen Caterer angeliefert werden soll – eine weitere Verkehrsbelastung.

Projektleiterin Janka Krauß vom Trägerverein, der KJSH-Stiftung (Verein für Kinder-, Jugend und Soziale Hilfen) strahlt Gelassenheit aus. „Wir stehen kurz vor der Genehmigung“, versichert sie. Der Bauantrag wurde nach Angaben von Stadtsprecher Clemens Teschendorf im April 2016 gestellt – und er sei unvollständig gewesen. Anfang Juni habe der Träger die erforderlichen Unterlagen nachgereicht. „Der für den Juli avisierte Start war schon sehr ehrgeizig“, räumt Teschendorf ein. Aber man sei auf einem guten Weg. Die Stiftung stehe nunmehr in der Verantwortung, die bereits angemeldeten Kinder temporär unterzubringen und zu versorgen. Flensburgs Bildungsmanager Wolfgang Sappert betonte, dass die Stadt dabei helfen wolle, eine Alternative für die Übergangszeit zu finden. „Und die vorliegenden Beschwerden werden derzeit sauber abgearbeitet.“ Sappert rechnet mit einem Eröffnungstermin im November. „Dann sollte alles geregelt sein.“ Die Stadt ist bei der Ko-Finanzierung mit im Boot, zudem gibt es eine prozentuale Förderung durch Land und Bund.

„Wir werden so schnell wie möglich eröffnen“, verspricht Janka Krauß. Das erforderliche Personal sei längst eingestellt, Verwaltungskräfte hätten die Arbeit im Dachgeschoss aufgenommen. Offenbar schielt der Kita-Träger auf eine Teilbetriebserlaubnis im Parterre. „Ansonsten müssen wir eine alternative Form der Betreuung finden“, sagt die Projektleiterin. Das könnte etwa durch die Anmietung einer Wohnung geschehen. Mitte September wolle man mit einer „sanften Belegung“ beginnen. „Wir handeln transparent und sind im Gespräch mit den Eltern, um individuelle Lösungen zu finden.“

Hartmut Ehler sieht auch eine Lösung – und zwar auf dem Rechtsweg. Er sei es von seinem Beruf her gewohnt, sehr genau hinzuschauen. „Ich bleib dran, ich werde klagen.“

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