Probe der Stiftung Warentest : Hoher Glyphosat-Gehalt in alkoholfreiem Bier: Flensburger Brauerei gibt Entwarnung

Flens am Fließband: Über die Braugerste gelangen Spuren von Glyphosat in die meisten Biere.
Flens am Fließband: Über die Braugerste gelangen Spuren von Glyphosat in die meisten Biere.

Sikkation von Braugerste in Dänemark ist das Problem. Das Totspritzen des Bier-Rohstoffes ist dort aber wohl Geschichte.

shz.de von
30. Mai 2018, 06:12 Uhr

Flensburg | Die Nachricht findet sich versteckt in der Fußnote 12 unten auf der Seite 15 der Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Test“. „Vergleichsweise hoher Gehalt an Glyphosat nachgewiesen“, heißt es da. Betroffen davon ist neben dem Holsten Alkoholfrei die Biersorte Flensburger Frei der Flensburger Brauerei. Mit einer Gesamtnote von 3,4 landet das Bier aus Flensburg auf einem bescheidenen vorletzten Platz in der Rangliste.

Im Text zum Test ist zu lesen, dass keines der getesteten 20 alkoholfreien Biere frei von Glyphosat ist – außer zwei Bio-Bieren. Aber im Holsten und im Flensburger sind die Werte offenbar deutlich höher als bei den anderen.

Problem lag an dänischer Braugerste

Das mag mit der geographischen Lage der Brauereien zu tun haben. Die Flensburger beziehen jedenfalls einen Teil ihrer Braugerste aus Dänemark. Dort durfte Glyphosat noch bis vor kurzem zur Sikkation (Verfahren zur Abreifebeschleunigung vor der Ernte) eingesetzt werden, wie die Flensburger Brauerei mitteilt. Schon 2016 seien Gespräche mit den dänischen Mälzereien geführt worden. „Durch den freiwilligen Verzicht der dänischen Bauern, Glyphosat einzusetzen, zeigen aktuelle Analysen, dass so gut wie keine Spuren in der 2017er Ernte festgestellt werden konnten“, so Andreas Tembrockhaus, Geschäftsführer der Brauerei. Das von der Stiftung Warentest getestete Frei sei noch mit Braugerste von 2016 hergestellt worden.

<p>Das getestete Produkt.</p>

Das getestete Produkt.

Glyphosat darf in Deutschland nicht zur Behandlung von Braugetreide eingesetzt werden. Allerdings ist der Einsatz zur Behandlung einiger anderer Feldfrüchte zugelassen. „Spuren des Pflanzenschutzmittels können sich daher auch auf Braugetreide ablagern“, so die Mitteilung der Brauerei. Ob von Glyphosat eine krebserzeugende Gefahr ausgeht, werde von verschiedenen Institutionen unterschiedlich bewertet, heißt es im Juni-Test-Heft weiter. „Solange das Risiko für den Menschen nicht abschließend geklärt ist, sollten die Brauereien aus vorsorgendem Gesundheitsschutz die Gehalte senken.“

Genau das haben die Flensburger auch vor. „Die Brauerei rechnet fest damit, dass sich die Rückstände auf der Importgerste noch weiter reduzieren. Denn ab Juni soll der Einsatz dieses Mittels zur Sikkation in Dänemark gesetzlich verboten werden“, so Andreas Tembrockhaus weiter.

Betont wird zudem, dass die gefundenen Mengen weit unter dem von der EU festgesetzten Grenzwert von 0,3 Milligramm pro Kilo Körpergewicht und Tag liegen. Für einen Mann von 80 Kilo Gewicht seien das 24.000 Mikrogramm pro Tag. Der Grenzwert, der auch von Flens Frei unterschritten wird, liegt hingegen bei 30 Mikrogramm, rechnet Sara Sausmikat-Theilen, Pressesprecherin der Brauerei, vor.

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