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Urteil in Flensburg : Hohe Haftstrafe für Vergewaltiger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Angreifer vom Alten Friedhof muss sechs Jahre und drei Monate hinter Gitter. Die Strafkammer verhängt zudem 20 000 Euro Schmerzensgeld.

Flensburg | Als der Vorsitzende Richter Michael Lembke mit der mündlichen Urteilsbegründung fertig war, dürfte Matthies M. gedämmert haben, dass seine Tat ein zweites Leben vollends aus den Fugen gerissen hatte – sein eigenes. Wegen Vergewaltigung muss der 26 Jahre alte Flensburger für sechs Jahre und drei Monate in Haft. M. hatte bereits am ersten Prozesstag gestanden, am 8. April auf dem alten Friedhof eine 23-jährige Krankenschwester mehrfach vergewaltigt zu haben.

Eine Tat, für die M. in mehrfacher Hinsicht teuer bezahlen muss: Neben der langjährigen Haftstrafe muss er 20  000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zahlen, die fast kompletten Prozesskosten übernehmen sowie den finanziellen Ausgleich für alle materiellen und immateriellen Schäden, die sein Opfer auch in Zukunft wegen dieser Tat erleidet. Ob der Täter nach Verbüßung seiner Haftstrafe dazu überhaupt in der Lage sein wird, steht freilich auch für den Kammervorsitzenden in den Sternen.

„Wir sind hoch rangegangen“, sagte Lembke in seiner Urteilsbegründung. „Es muss der absolute Albtraum sein, aus einem Gebüsch überfallen und 60 Meter über den Friedhof geschleppt zu werden.“ Die Brutalität, die der Täter gezeigt habe, sei eine andere als die, mit der es die Strafkammern sonst zu tun habe. Die junge Frau wurde wahllos ergriffen, mehrfach vergewaltigt, verbal beschimpft, gedemütigt, körperlich brutal ins Gesicht geschlagen. Auch wenn der Täter ohne Vorstrafen sei und ein komplettes Geständnis abgelegt habe: „Wir hatten hier ein deutliches Zeichen zu setzen“, so Lembke.

Nach Ansicht des Vorsitzenden hatte das Geständnis angesichts der erdrückenden Beweislage ohnehin keinen überragenden Wert. M. hatte am Tatort eindeutige DNA-Spuren hinterlassen – und bei seiner Festnahme fiel ihm keine plausible Erklärung für die Bilder auf seinem Smartphone ein: Er hatte den Tatort fotografiert.

M. hatte zwar angegeben, am Nachmittag vor der Tat mit Freunden reichlich Drogen und Alkohol konsumiert zu haben, doch gutachterlich wurden keine strafmindernden Gründe bescheinigt. M. hatte es allerdings auch abgelehnt, sich explorieren zu lassen und auch keine Angaben zu den persönlichen Umständen seines Lebens zu machen. Aufgrund der strukturierten Vorgehensweise bei der sich über 20 Minuten erstreckenden Tat fand der Sachverständige keine Anhaltspunkte für die Annahme einer verminderten Schuldfähigkeit oder Steuerungsfähigkeit. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und drei Monate Haft gefordert, M.s Verteidigerin hatte auf vier Jahre und drei Monate Haft plädiert.

Die junge Frau, die noch heute schwer unter den Nachwirkungen des Verbrechens leidet, wurde in dem für sie so schwierigen Verfahren durch eine Mitarbeiterin des Weißen Rings (Telefon 0461 3155301) unterstützt, der sich auch in Flensburg ehrenamtlich für die Opfer von Kriminalität engagiert.

 

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erstellt am 20.Okt.2015 | 07:00 Uhr

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