Handwerkskammer Flensburg : Hoffnung für die Projekt-Flüchtlinge

Erfolgreiche Maßnahme: Schweißlehrer Jürgen Raun (52) zeigt einem jungen Geflüchteten den Umgang mit dem Schweißgerät, dahinter Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg und Björn Geertz vom Bildungszentrum der Handwerkskammer.
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Erfolgreiche Maßnahme: Schweißlehrer Jürgen Raun (52) zeigt einem jungen Geflüchteten den Umgang mit dem Schweißgerät, dahinter Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg und Björn Geertz vom Bildungszentrum der Handwerkskammer.

Abzug aus dem Integrationskurs der Handwerkskammer: Grüne machen Druck über die Landesgrenze hinweg

shz.de von
15. Februar 2018, 06:34 Uhr

Der Fall war einfach zu grotesk: Nacheinander hat die Flensburger Handwerkskammer fünf junge Flüchtlinge aus ihrem preisgekrönten Berufsorientierungsprojekt verloren – ungeachtet positiver Prognosen, Zeugnisse und der Not der lokalen Handwerksbetriebe, die in vielen Berufen von Metall und Elektro bis Ernährung verzweifelt Lehrlinge suchen (wir berichteten). Einer war bereits im Praktikum. Alle fünf kamen aus dem Landkreis Rostock in Güstrow – und mit dem 18. Geburtstag zog der Kreis seine Schützlinge aus dem Flensburger Projekt und vom Satruper Jugendhilfeträger ab. Begründung: Güstrow müsse das Asylverfahren in seinem Zuständigkeitsbereich durchführen, die Ausländerbehörde in Schleswig habe die ausländerrechtliche Betreuung nicht übernommen, und die Umverteilungsanträge beim zuständigen Landesamt kamen zu spät oder wurden abgelehnt.

Ein sechster junger Mann hat Glück: Wenn er im Juni volljährig wird, ist sein Projekt zu Ende – und er hat die Chance auf eine Ausbildung.

Weil der Fall zwischen drei Behörden sich so absurd anhört, haben sich die Grünen jetzt eingeschaltet. Mit ihrer schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten Luise Amtsberg, Expertin für Flüchtlingsfragen ihrer Fraktion, informierten sich die Politiker gestern bei Björn Geertz, Chef des Bildungszentrums der Handwerkskammer, seiner Projektverantwortlichen Katarzyna Hill sowie Alexander März, Lehrer und Willkommenslotse für Flüchtlinge im Nord-Handwerk. Wenn es nicht gerade um Güstrow geht, kann einer wie März zahlreiche Erfolgsgeschichten aus Afghanistan, Syrien oder Eritrea erzählen. Bilanz: Gut 200 Vermittlungen unter den Flüchtlingen stehen auf der Haben-Seite.

Und die abgezogenen jungen Leute aus dem Landkreis Rostock? Zunächst müsse klar sein, ob sie wieder in die Flensburger Maßnahme wollen, findet Amtsberg. Dass die jungen Leute wollen und von den Betrieben gern genommen würden, ist für Projektleiterin Hill keine Frage: „Dann muss man das jetzt versuchen“, schlägt die Grünen-Politikerin vor. Am ehesten Erfolg verspreche ein Umverteilungsversuch unter den Bundesländern. Flensburgs Grünen-Chefin Benita von Brackel-Schmidt berichtet, es gebe über Parteifreunde in Mecklenburg-Vorpommern bereits Kontakte ins Schweriner Wirtschaftsministerium. Bei allem geht es auch hier am Ende um Kostenübernahme, Wohnen, Lebensunterhalt, manches mehr. Die 8500 Euro pro Teilnehmer für die Maßnahme sollten noch das geringste Problem sein.

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