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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 02:19 Uhr

Brasseriehof : Hof und Café für alle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Brasseriehof entwickelt sich ein Ort der Begegnung für Menschen jeder Herkunft.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 11:52 Uhr

Flensburg | Eigentlich wollte doch jeder mal ein Café eröffnen, hat Anja Werthebach festgestellt. Sie beherbergt in ihrem Hof im Herzen der Stadt jetzt auch eines, und zwar eines für alle.

Kurze Vorgeschichte: Anja Werthebach hat im April des vergangenen Jahres den Brasseriehof in der Großen Straße erworben. Der ist zwischen 1840 und 1850 gebaut worden und diente als Speicher. Werthebachs Intention war, den Hof wieder attraktiv für Flensburger und Touristen zu machen, indem er Gewerbe, Veranstaltungen und einem Café eine Heimat bietet. Außerdem hofft die 49-Jährige, andere Hofeigentümer für ein gemeinsames Konzept zu gewinnen (wir berichteten).

Seit ihre Pläne öffentlich wurden, hat sich allerhand bewegt im Brasseriehof. Abgesehen von den liebevoll hergerichteten Ferienwohnungen, die es hier jetzt gibt, haben sich ehemals dunkle Restauranträume in lichte Orte der Begegnung verwandelt; und die ersten Kultur-Veranstaltungen stehen in diesem Monat bevor.

Das Familiennetzwerk „Mit uns für alle“ erprobt darin seit September ein Projekt-Café, das aus einem Wunsch der Eltern der Lebenshilfe erwuchs, berichtet Brigitte Becker. Die Diplom-Pädagogin ist die Koordinatorin des übergeordneten Modellprojekts. Die Eltern wünschten sich ein Netzwerk gegenseitiger Hilfe – „platt formuliert“, sagt Becker, eine Art Nachbarschaftshilfe. Der Fokus sollte sich zunächst auf Kinder mit Behinderung richten. Als zentraler Wunsch des Netzwerks stellte sich dann der Wunsch nach einem Café im Zentrum der Stadt dar. Es sollte ein Ort für alle sein, in dem die Eltern mit ihren Kindern nicht das Gefühl haben, das Café alsbald verlassen zu müssen, weil sie nichts konsumieren oder stören.

Als Brigitte Becker vom Brasseriehof erfuhr und den Vorhaben der neuen Besitzerin, hatte sie den passenden Ort gefunden und sprach Anja Werthebach an. Die sagte einfach: „Kommt doch!“ Und jetzt sind sie da, die Aktiven vom Familiennetzwerk „Mit uns für alle“ und laden jeden dritten Freitag und Sonnabend im Monat von 14 bis 18 Uhr zum Projekt-Café ein. Jeder ist willkommen, sich bei Kuchen, Kaffee und Tee und stets auch veganen Speisen zu bedienen und dafür so viel zu spenden, wie er kann – einer mehr, einer weniger. „Wir glauben, dass sich das ausgleicht“, sagt Brigitte Becker. Was noch fehle, seien allerdings eine behindertengerechte Toilette und ein Wickeltisch. Und: „Damit es weiter wachsen kann, brauchen wir mehr Leute“, ermuntert Becker jedermann, sich einzubringen.

Die Idee sei im Grunde, dass das Café jeden Tag öffne – immer unter einem anderen Gesichtspunkt, vom afghanischen Nachmittag bis hin zum Kinder-Café. Aus diesen Aktivitäten heraus habe sich per Zufall auch das syrische Café entwickelt, das an einem festen Wochentag stattfinden soll. Auch Benefiz-Veranstaltungen sind geplant. Erst einmal aber hat das iranische Café mit persischen Speisen am 9. Januar um 15 Uhr Premiere. Am 16. Januar um 19 Uhr findet eine Neujahrslesung statt mit Lilian Grzesiak und Gert J. Fode; Musik machen dann „Die Schmelzkörper“. Und am 23. Januar ist ein Vortrag von Bastian Schmatz zu hören, weiß Hof-Besitzerin Anja Werthebach. Und plant schon die nächste Aktion mit dem Schifffahrtsmuseum.


Brigitte Becker, Telefon 999373022; Anja Werthebach – Email: werthebach@posteo.de; Termine auf Facebook vom Familiennetzwerk „Mit uns für alle“

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