Flensburger Theaterfreunde : Höhepunkt der Ballsaison

„Meine Lippen, sie küssen so heiß“: Solistin Anna Schoeck gibt alles bei dem Ausschnitt aus Franz Léhars Operette „Giuditta“.
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„Meine Lippen, sie küssen so heiß“: Solistin Anna Schoeck gibt alles bei dem Ausschnitt aus Franz Léhars Operette „Giuditta“.

Von „Nessun Dorma“ bis zur „Reeperbahn nachts um halb eins“: Nach der Show ging es beim 46. Bühnenball auf das Tanzparkett.

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26. Januar 2015, 11:02 Uhr

Es gibt sie noch, die prunkvollen Feste mit Aschenputtel-Effekt: Alltag hinter sich lassen und eine Nacht wie ein Königskind feiern! Das taten 550 Menschen am Sonnabendabend im festlich geschmückten Deutschen Haus auf dem 46. Bühnenball des Vereins Flensburger Theaterfreunde.

Für die richtige Einstimmung sorgten rund 60 Künstler des Landestheaters sowie 50 Mitglieder des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters. Intendant Peter Grisebach führte durch das selbst zusammengestellte, 70-minütige Programm voller Höhepunkte aus Operette und Musical, gekonnt umgesetzt vom neuen Kapellmeister Florian Erdl. Alle Stücke hatten im weiteren Sinne mit menschlichen Aktivitäten in der Nacht zu tun. Das Motto des Abends lautete: „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ – nach dem Titel eines Songs aus dem Spielfilm „Tanz auf dem Vulkan“ von 1938 mit Gustav Gründgens in der Hauptrolle. Er spielt einen Schauspieler, der einen Staatsstreich auslöst.

Dazu gesellten sich Stücke wie die Arie „Nessun Dorma“ (Keiner schlafe), ergreifend vorgetragen von Junghwan Choi, „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ (Kai-Moritz von Blanckenburg), „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ (Anna Schoeck) von Operettenkönig Franz Léhar. Tina Marie Herbert sang in einem atemberaubenden Glitzerkleid „Moon River“ aus „Frühstück bei Tiffany’s“, Ansgar Hüning (auch gut als Frank Sinatra) und Joa Helgesson unterhielten beschwingt mit „Well, Did You Evah!“ aus Cole Porters „High Society“. Mit Stücken aus Andrew Lloyd Webbers Musical „Sunset Boulevard“ wurde auch ein kritischer Blick hinter die Glitzerwelt-Kulisse von Hollywood geworfen. Sowohl als Solisten als auch im Ensemble waren alle Beteiligten voll bei der Sache. „Das Programm hat uns alle beflügelt“, sagte Bariton Ansgar Hüning. Das Ballett unter Leitung von Katharina Torwesten führte den „Mambo“ aus der Westside-Story auf, ein Musical, das die neuen Tanzgewohnheiten der 50er-Jahre aufgriff.

Die Tanzgewohnheiten des Balles verliefen gewollt und gewohnt traditionell – langsamer Walzer, Disco-Fox und Cha cha cha von der „Sandy Showband“. Das Publikum entstammte überwiegend einer Generation, in der der Tanzkurs fester Bestandteil der späten Jugendjahre darstellte. Vereinzelt, so war an diesem Abend festzustellen, erlebt der Gesellschaftstanz ein Comeback: Ball-Besucherin Anna Thiele, 22 Jahre, begleitete etwa ihre Großeltern. „Wir haben einen Familientisch gebucht, ist doch schön so ein generationenübergreifendes Fest!“

Intendant Grisebach verzichtete in seiner Moderation dieses Mal auf politische Seitenhiebe. Ein Umstand, den Ballbesucher und Oberbürgermeister Simon Faber als angenehm empfand. Gabriele Cramer, Vorsitzende der Theaterfreunde, sprach abseits der Bühne aber aus, was in jedermanns Kopf herumgeistert, der mit dem Landestheater zu tun hat: „Ohne unser drittes Standbein in Schleswig steht das Theater auf der Kippe.“ An Schleswig glaube sie selbst nicht mehr, sie setze auf Itzehoe. „Diese Stadt möchte uns.“ Problem sei nur die größere Entfernung zu den anderen Spielstätten.

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