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Selbsthilfe in Flensburg : Höhen und Tiefen durch ein Leben mit Krebs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Haus der Familie entsteht ein Theaterstück, in dem von der Krankheit Betroffene mitspielen

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2017 | 07:29 Uhr

Hoffnung und Rückschlag, Freude und Angst – eine ganze Bandbreite intensiver Höhen- und Tiefengefühle erleben Menschen, deren Leben von Krebs betroffen ist. „Diese Krankheit verändert alles, ist ein echter Lebenseinschnitt“, hat Gerhard Weber beobachtet. Seit dem Herbst begleitet der Autor und Regisseur ein anspruchsvolles Theaterprojekt im „Haus der Familie“. Ein Dutzend Betroffene und Angehörige haben sich in zahlreichen Gesprächen über eigene Erfahrungen, Beobachtungen und Gefühle ausgetauscht, die sie mit dieser Krankheit gemacht und dabei erlebt haben. Gemeinsam mit ihnen hat Gerhard Weber das Stück „Heute, alles anders“ entwickelt. Kurz vor Weihnachten war der Zweiakter fertig, seitdem haben sich die Gruppenmitglieder mit dem Text vertraut gemacht, am Sonnabend war die erste Probe angesetzt.

Etwa eine Stunde dauert das Vier-Personen-Werk, in dem ein Ehepaar und zwei Freundinnen zum Thema argumentieren. Gemeinsam stellen sie sich einer drohenden, neuen Situation mit jeweils unterschiedlicher Emotionalität. „Ganz wichtig war uns, kein trauriges Betroffenheitsstück umzusetzen, das die Zuschauer verschreckt. Vielmehr wollen wir aufzeigen, wie wir uns mit der Krankheit auseinandergesetzt haben und dass Vorurteile und Berührungsängste überflüssig sind“, sagt die Gruppe unisono. Krebs könne schließlich jeden treffen, unabhängig vom Alter. Das Stück bietet auch Heiteres, wobei nichts verharmlost wird. Manche Situation werde zudem mit leicht grotesker Überzeichnung dramaturgisch akzentuiert, so Gerhard Weber, der klar erkannt hat: „Wenn von der Krankheit Betroffene das Thema auf die Bühne bringen, ergibt sich daraus vergleichsweise eine ganz andere Intensität in der Darstellung.“

Entstanden ist die Idee zu diesem Theaterstück aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Selbsthilfegruppe Kibis: „Wir wollten unser Thema einmal anders darstellen, gleichzeitig aufklärend wirken“, erläutert die fachlich begleitende Diplom-Pädagogin Jane Jöns von Kibis. Denn der Umgang mit schwerer Krankheit sei in der Gesellschaft immer noch durch Unsicherheit und Vorurteile geprägt, wirke sich nicht selten stigmatisierend auf Betroffene aus. Im Sinne klassischer Selbsthilfearbeit gehe es in dieser Initiative um so genanntes „Empowerment“ der Beteiligten: Ich bin nicht nur Krankheit, ich kann etwas bewirken, für mich und andere.

Manfred Thilo macht als betroffener Angehöriger in der Theatergruppe mit: „Meine Frau ist an Krebs gestorben. Ich finde, dass zum Leben dazugehört, auch über Kritisches miteinander zu reden, damit kann vielen geholfen werden“, begründet er seine Motivation. Martina Achtermeier kommt aus Leck und macht trotz ihrer Krankheit mit, was sie als persönliche Herausforderung empfindet. „Ich öffne dadurch neue Türen für mich. Und nach 37 Fahrten nach Flensburg zur Strahlentherapie ist der Weg zu unserer Theatergruppe jetzt ein sehr viel schönerer“.

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