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Alte Gassentrasse : Höfliche Gänge: Die Charme-Offensive

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Reinhard und Peter Thomas haben ein Konzept entwickelt, nach dem man Flensburger Höfe beleben und durchlässiger machen könnte.

Es ist fast ein halbes Jahrhundert her, da knipste Günter Kruse das Licht an. Der Galerist holte seinen verwaisten Hof aus dem Dunkel. Nahm Pinsel und Farbe zur Hand, baute einen Brunnen und schmückte den Eingang mit Rosen. Der Rest ist Geschichte. Ende der siebziger Jahre wurden Millionen in die Sanierung der Roten Straße gesteckt. Das gesamte Ensemble hat sich sukzessive zu einem touristischen Kleinod entwickelt – ein Juwel, mit dem Flensburg in jedem Prospekt glänzt und Urlauber an die Förde lockt.

Wie aber verhält es mit den vielen anderen historischen Kaufmannshöfen zwischen Norder- und Südermarkt? „Auch sie muss man ins Licht rücken“, fordert Reinhard Thomas, der mit seinem Bruder Peter Ideen entwickelt hat, wie man Vergessenes wiederbeleben kann, „um damit nicht nur die ökonomische Situation zu verbessern, sondern auch, um neue Anreize zum Besuch der Innenstadt zu schaffen“.

Das meint er nicht zuletzt mit Blick auf den offenkundigen Leerstand an der Großen Straße und die geplanten Pact 2-Marketingmaßnahmen zur Aufwertung der City. Ihr Beitrag zum IHK-Wettbewerb „Flensburg Innovativ“ blieb allerdings ungehört.

Bei ersten Rundgängen entdeckten die Thomas-Brüder gleich zehn Objekte, denen man wirksam zu Leibe rücken und die man einem Facelifting unterziehen könnte. Dabei fokussierten sie sich zunächst auf die Höfe zwischen Großer Straße und Speicherlinie. Dieses Areal, so die Vision, könnte Modellcharakter für die gesamte Innenstadt haben, erweiterbar zur Norderstraße und in Gegenrichtung bis in den Holm hinein.

Es ist unschwer zu erkennen, wie die Häuser dort – zum Teil aus dem 14. bis 16. Jahrhundert – vor sich hin vegetieren. „Sie sind leergeräumt, dienen als Lagerraum, unsaniert warten sie auf den vollständigen Zusammenbruch“, schildert Peter Thomas den traurigen Zustand. Die Eigentümer und Mieter haben sich separiert. Es gibt künstliche Mauern, Zäune, gar Schranken mit Video-Überwachung. „Und die Mieten, die man erzielen kann, tendieren gen null.“

Ergo: Die stillen Reserven können nur entwickelt werden, wenn man das wirtschaftliche Potenzial erkennt. Und das sehen die Flensburger in einer Erlebniszone für Markt, Kultur und Kunstgewerbe – mit kleinen Restaurants, Kneipen und vielleicht einem Jazzschuppen im Gewölbekeller. „Fantasie und Initiative sind gefragt.“

Und der Mut, neu zu denken. Das Charmante nämlich ist so naheliegend, wie bislang ungedacht: Fußläufige Wege sollen die Höfe miteinander zu einer erlebbaren Einheit verbinden. Von Hof zu Hof . . . auf neuen Wegen.

Schließlich, so Reinhard Thomas, habe es früher schon immer nachbarschaftliche Verbindungen von Kaufleuten und Handwerkern gegeben. „Es lässt sich fast ausnahmslos eine Durchgängigkeit wiederherstellen“, ist der 78-Jährige überzeugt. Vielleicht nicht immer geradlinig, „aber es darf keine Sackgassen mehr geben, in die man lediglich hinein stochert, während draußen das Leben vorbeizieht.“

Die Brüder sehen die Stadtplanung unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes in der Pflicht. Dort müsse ein langfristiges Konzept entwickelt werden, das so reizvoll ist, dass sich die Hausbesitzer ihm nicht verschließen könnten. „Die werden aktiv und die Freiheiten nutzen, die man ihnen lässt“, sind der Fotograf und der Grafiker sich sicher. Sie erwarten eine Steigerung der Publikumsfrequenz, erhöhte Nutzung der Immobilien und verbesserte Renditen. Neuer Raum für die zweite Reihe, die „zweite Liga“. Grenzen gibt es nicht. „Mauern sind für mich bereits Durchgänge“, sagt Reinhard Thomas, „und kein Hindernis.“

 

 

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erstellt am 25.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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