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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 16:31 Uhr

Serie : Hochzeit mit der Konkurrentin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Neue Export-Brauerei übernimmt die Actienbrauerei. „Flensburger Brauereien“ ist ein Name für Jahrzehnte.

shz.de von
erstellt am 01.Jan.2014 | 12:30 Uhr

125 Jahre Flensburger Brauerei – das ehrwürdige Gebäude am Munketoft gehört zur Stadt wie der herbe Pilsgeschmack des Flensburger Bieres und der unverwechselbare Bügelverschluss, der so schön ploppt. In der deutschen Brauerei-Landschaft ist eine weit über hundert Jahre alte Brauerei eine absolute Ausnahme. Anlass, die Geschichte dieses Familienunternehmens im zu Ende gehenden Jubiläumsjahr in einer Serie nachzuzeichnen.

Bereits in der Gründungsphase ziehen dunkle Wolken auf. Schon die Baukosten überschreiten das Aktienkapital um 300 000 Mark. So wird es notwendig, eine Hypothek von 150 000 Mark aufzunehmen und das Kapital um 15 000 Mark zu erhöhen. Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen nicht gerade günstiger geworden. Die Konkurrenz durch zahlreiche neu gegründete Brauereien im Land wächst stetig, das Exportgeschäft geht zurück. Auch im Ausland schläft die Konkurrenz nicht – sie holt sich bevorzugt deutsche Braumeister ins Land und braut kurzerhand ihr Bier nach deutscher Art einfach selbst. Bereits um 1890 beginnen die Umsätze zu stagnieren, Zuwächse kommen nur durch besondere Umstände zustande wie den Bau des Nord-Ostsee-Kanals (Bier für durstige Arbeiter) und die Kaisermanöver (Bier für durstige Soldaten). Einfuhr- und Getreidezölle treiben zudem die Herstellungskosten in die Höhe. So dauert es nicht lange, und die Idee einer Fusion beider Flensburger Brauereien ist geboren. Letztlich ist es vor allem die Actien-Brauerei, die befürchten muss, dem Konkurrenzkampf nicht gewachsen zu sein, denn die Export-Brauerei verfügt über weitaus modernere und rentablere Anlagen. Zudem sind ihre Lage und Wasserversorgung günstiger.

Der Erste Weltkrieg brachte zusätzlichen Druck auf die Akteure: Die Einnahmen brachen weg, die Geschäfte kamen zum Erliegen. Obendrei werden Mittel eingezogen,. die im Krieg verwendet werden können: vom Brauereipferd bis zur Sudpfanne aus Kupfer.

1919 musste eine Lösung gefunden werden, sollte eine der beiden Brauereien überleben und gleichzeitig ihre Eigenständigkeit bewahren. Obwohl die Generalversammlung der Flensburger Actien-Brauerei dem Vorstand grünes Licht für freie Verhandlungen mit allen Interessenten gegeben hatte, erhielt glücklicherweise die Flensburger Export-Brauerei den Zuschlag.

Das Kaufangebot der Export-Brauerei belief sich auf 250 Prozent des Aktienkapitals der Actien-Brauerei von 600 000 Mark, also 1,5 Millionen Mark. Die Fusion war damit endlich besiegelt, der Fortbestand zumindest einer erfolgreichen Großbrauerei in Flensburg auf absehbare Zeit gesichert. Zwei Großaktionäre werden mit der Abwicklung der Actien-Brauerei beauftragt: Kaufmann Carl M. Bucka und Christian Carsten Christiansen.

Die Fusion sieht unter anderem vor: die Übernahme des Braukontingents der Actien-Brauerei, die Erhöhung des Aktienkapitals um 300 000 Mark sowie die neue Firmierung unter „Flensburger Brauereien AG“. Der Plural im Namen sollte zeigen: Hier wird nicht eine Firma durch Übernahme verdrängt, hier schließen sich zwei Unternehmen zusammen.

Um die Entstehung weiterer Konkurrenzunternehmen zumindest zu erschweren, trägt die in Auflösung befindliche Actien-Brauerei ins Grundbuch ein, dass auf ihrem – bald ehemaligen – Gelände „für alle Zeiten keine Brauerei mehr eingerichtet werden darf“.

Der Vorstand der neuen AG besteht zunächst aus dem Brauereidirektor Erich Baars und dem Kaufmann Jacob August Bandholz, 1926 wird Baars alleiniger Vorstand. Am 1. November 1919 findet die erste Generalversammlung
der „Flensburger Brauereien AG“ statt, allerdings vergehen noch viereinhalb Jahre,bis das Amtsgericht Flensburg am 25. März 1924 über die Brauerei am Brauereiweg verkündet:„Die Firma ist erloschen.“

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