Flensburg : Hochwasser-Alarm in Kolonie 115

Verhinderte Kleingärtner: Koos, Thamm und Faber (v.l.) , die Hecke trennt sie von Thamms voll gelaufenem Garten. Foto: Pohl
Verhinderte Kleingärtner: Koos, Thamm und Faber (v.l.) , die Hecke trennt sie von Thamms voll gelaufenem Garten. Foto: Pohl

Um zu seinem Schuppen zu gelangen, bräuchte Thorsten Thamm aus Flensburg zurzeit am besten ein Schlauchboot. Sein Kleingarten steht seit Tagen unter Wasser - und Besserung ist nicht in Sicht.

shz.de von
28. Juli 2011, 07:02 Uhr

Flensburg | Spaten und Harke stehen sicher im Schuppen. Für sie hat Thorsten Thamm derzeit keine Verwendung. Was er bräuchte, ist ein Schlauchboot - um zu seiner Laube zu gelangen. "Da habe ich gerade neues Laminat verlegt." Sommerzeit ist Gartenzeit, und Thamm juckt es in den Fingern. Doch sein Kleingarten in der Kolonie 115 am Wasserturm ist derzeit nicht nutzbar. Er steht seit Tagen komplett unter Wasser, und zwar richtig tief.
Eine einstämmige Rose ragt aus den Fluten, auch die tönerne Katze ist noch gerade eben zu sehen. Und am anderen Ufer des ungewollten Teiches lockt die in Ochsenblut-Rot gestrichene Laube. Auch die benachbarten Gärten haben Hochwasser, allerdings nicht so flächendeckend wie Thamms Scholle.
"Wieso zahlst du Wassergeld, du kannst Wasser verkaufen"
Die Ursache für das Dilemma liegt auf der Hand bzw. unter Wasser: Der Gully am Wegesrand ist gut zu sehen, allein es läuft nichts ab. Auch Thamms Garten hat eine Drainage, aber sie drainiert nicht. Die Abwasserleitungen stammen von 1948, als diese Kolonie angelegt wurde. Niemand weiß, wo welches Rohr hinführt und wie die Entwässerung geregelt wird. Deshalb ist die Suche nach der Verstopfung so schwierig. Hinzu kommt, dass Thamms Garten im Verhältnis zur Umgebung an der tiefsten Stelle liegt. Unfreiwillig sammelt er das überschüssige Wasser der Nachbargärten ein. Und in rund ein Meter Tiefe verhindert eine wasserundurchlässige Schicht die Versickerung.
Er hat den Garten 2008 übernommen und dafür 1800 Euro an den Vorpächter gezahlt. An den Verein der Gartenfreunde zahlt er 460 Euro Pacht pro Jahr - einschließlich Wassergeld! "Wieso zahlst du Wassergeld, du kannst Wasser verkaufen", feixt ein Nachbar. Thamm hat wie seine Nachbarn viel Geld in neue Pflanzen investiert, von denen er viele wieder ausreißen und entsorgen musste - sie waren abgesoffen. "Das macht keinen Spaß mehr", grollt auch Helge Koos, dessen Garten gegenüber ebenfalls Hochwasser hat. Und nebenan kann Rolf Faber seinen Garten auch nur noch mit Gummistiefeln begehen.
"Wir haben die Leitungen zweimal spülen lassen"
Der Verein der Gartenfreunde als Verpächter weiß um das Problem. "Wir haben die Leitungen zweimal spülen lassen", sagt Dieter Everding, Vorsitzender der Gartenfreunde. Eine Lösung könnte der Bau einer neuen Abwasserleitung in die benachbarte Kolonie 79 sein; dort gibt es ein Regenrückhaltebecken. "Das kostet aber 10.000 Euro", so Everding - zu viel für den Verein. Bei einem Ortstermin im August mit den Betroffenen wolle man das Thema nochmal erörtern . Dabei werde es auch um die Möglichkeit einer Eigenleistung der betroffenen Kleingärtner gehen. Das würde bedeuten: Spaten in die Hand nehmen und buddeln.
Thorsten Thamm hofft derweil auf trockene Tage und starke Verdunstung. Dann kann er vielleicht demnächst mal wieder in der Laube nach dem Rechten sehen.
(pop, shz)

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