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Musik in Flensburg : Hochkarätig: Der Messias in St. Jürgen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zur Wiedereröffnung der Kirche nach langer Sanierungszeit gönnte sich die Gemeinde ein großes Konzert

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2015 | 18:36 Uhr

Das war ja klar: Nach solch einer bemerkenswerten Aufführung des „Messias“ oder „Messiah“ HWV 56 von Georg Friedrich Händel und stehenden wie lautstarken Ovationen der begeisterten Zuhörer war als Zugabe das berühmte „Halleluja“ ein Muss. Deren Wusch erfüllten Kantor Klaus Ullrich und die Kantorei St. Jürgen in ihrer frisch renovierten und gut gefüllten, dennoch nicht ausverkauften Hauskirche in Flensburg.

Am Sonntagnachmittag führten sie mit dem Göttinger Barockorchester, das auf historischen Instrumenten musizierte, das über 270 Jahre alte Oratorium in englischer Originalbesetzung auf und zwar nur mit einer intimen Streicherbesetzung sowie den sparsam eingesetzten, farbgebenden Instrumenten Oboen und Trompeten mit Pauken. Die ebenso gerne gespielte, indes üppig besetzte Mozartfassung des Werkes mit weiteren Bläsern hätte unter Umständen den dafür benötigten Platz in der Kirche gesprengt und hätte zudem an barockem Flair verloren. Und so spielten die Instrumentalisten ihren Part klanglich zurückhaltend, aber wirkungsvoll und vorzüglich, insbesondere das glänzende Trompeten-Solo in „The trumpet shall sound – Die Tromba erschallt“ in Nr. 43. Die Oboen und die beiden Fagotte – darunter ein in die Höhe ragendes, über drei Meter langes Kontrafagott – quakten selig und atmosphärisch in der „Pifa“, dem bukolischen Intermezzo.

Als hochkarätig besetzte Solisten konnten Marni Schwonberg (Sopran), Nicole Pieper (Alt), Julian Podger (Tenor) sowie Julian Redlin (Baß) gewonnen werden, die freilich die tragenden Säulen des Oratoriums waren und wesentlich zum Gelingen der Aufführung beitrugen. Ihre zahlreichen Soli erschienen als überzeugende Lichtpunkte innerhalb des dreiteiligen Werkes.


Arien mit einem Hauch von Schwermut


Während Schwonberg die lyrischen Momente feinsinnig und empfindsam zum Leuchten brachte, sang Pieper mit ihrem dunkel-ernsten Timbre und gab den Arien ein Hauch von Schwermut. Julian Podger setzte sich nach anfänglichen, leichten Startschwierigkeiten bestens in Szene und ließ seinen Part mit ernster und emphatischer Stimme ertönen. Auch Redlin intonierte seine Arien mit rund-tönendem Bass hochprofessionell mit innerer Leidenschaft wie zuletzt besagte „Trompeten-Arie“.

Die Tempi waren von Ullrich mit umsichtigem Puls gewählt und eher von bedächtiger Natur, die Einsätze kamen aber bis auf wenige Wackler bei den Übergängen zu einigen Fugen akkurat. Die stimmlich gut austarierte und mit starken Männerstimmen besetzte Kantorei sang hochkonzentriert und beherzt und meisterte auch bei den zahlreichen Koloraturen die schwierigen Einsätze: Insbesondere der A-capella-Abschnitt „Since by man came death – Kam durch Einen Tod“ in Nr. 41 und auch zuletzt die „Amen-Fuge“ gelangen und brachten sie mit viel Achtsamkeit und ehrlicher Sangesfreude zu Gehör.

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