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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 04:43 Uhr

Flensburg : Hochburg der Diebe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburg nimmt bei den Ladendiebstählen einen Spitzenplatz ein. Die Einzelhändler gehen von Verdopplung der Taten aus.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Flensburg | Sie kommen meist in Gruppen und stammen aus Osteuropa, vom Balkan und seit einiger Zeit auch verstärkt aus Nordafrika. Durchstreifen Supermärkte, Boutiquen oder Einkaufsmärkte – und machen reiche Beute. Die Hemmschwelle sinkt. Immer öfter langen sie unter den Augen des Verkaufspersonals zu. Wie unlängst, als ein Täter ungeniert kiloweise Kaffeepäckchen in seine Reisetasche stopfte und, als er dabei beobachtet wurde, die Flucht ergriff. Selbst dann, wenn sie angesprochen werden, hält es sie nicht zwingend davon ab, ihre Tat zu Ende zu führen, wie ein Trio unter Beweis stellte. Es füllte die Taschen und machte sich davon – in verschiedene Richtungen – und wurde seither nicht mehr gesehen. „Und man muss inzwischen immer damit rechnen, körperlich attackiert zu werden, wenn man potenzielle Diebe zur Rede stellt“, schildert ein Marktleiter seine Erfahrungen.

Sie werden also immer dreister und aggressiver – und die Taten häufen sich. In Flensburg ist das nicht anders als im ganzen Land. Mehr noch: Die Stadt nimmt einen unrühmlichen Spitzenplatz ein. 888 Delikte wurden 2014 gezählt (2013: 583) und auch für das vergangene Jahr vermuten die Einzelhändler in der Stadt keinen Rückgang der Zahlen. Im Gegenteil. Marco Breitenberg*, Ladendetektiv bei Karstadt, spricht von einer Verdopplung der Delikte im Jahr 2015. Die Diebe gehen dabei besonders professionell vor: „In der Regel kommt eine einzelne Person in den Laden und spioniert ihn aus“, sagt der Detektiv. Dabei werden vor allem ein günstiger Zeitpunkt für einen Diebstahl oder die Fluchtwege unter die Lupe genommen. Die Betrüger wollen schließlich schnell wieder nach draußen kommen. Im Anschluss sammelt eine Gruppe gezielt die Waren ein. „Manche haben sogar eine ganze Liste, die sie abarbeiten.“ Ganz oben auf dieser Liste stehen Parfüm, Elektronikartikel und Bekleidung. Auch in der Flensburg-Galerie sind die Täter hinter hochwertiger Kleidung und Markenartikeln her. „Die lässt sich halt besser verkaufen“, erklärt Centermanager Matthias Borelli. „Manchmal gehen die Diebe sogar mit fünf Jacken aus dem Laden.“ Bei den Elektronikartikeln, so Jörg Barth, Centermanager des Citti-Parks, stehen Spiele oder Playstations auf der Wunschliste der Diebe.

Werden die Täter gestellt, gibt es ein Hausverbot und eine Anzeige. Danach übernimmt die Polizei. Sie zu stellen, ist nicht ungefährlich, denn oft sind sie zur Gegenwehr bereit. Nicht selten tragen sie zudem ein Messer bei sich, dass sie auch das eine oder andere Mal zücken. Belangt werden die meisten Diebe aber nicht, sondern kommen sofort wieder auf freien Fuß. Polizei-Sprecherin Franziska Jurga erklärt, dass Ladendiebstähle noch immer als Kavaliersdelikt angesehen werden. Das führt dazu, dass sich viele Einzelhändler, auch im Citti-Park, von der Justiz allein gelassen fühlen. „Die Täter können dann sofort weitermachen“, sagt Barth.

Als mögliche Gründe für die Zahl der Delikte vermutet die Polizei Geldmangel oder, bei geringwertigen Ladendiebstählen, auch Mutproben. Die Beschaffungskriminalität, in der meist drogenabhängige Personen stehlen, um die Gegenstände anschließend zu verkaufen und so an Betäubungsmittel zu kommen, spiele Jurga zufolge ebenfalls eine Rolle.

Um sich gegen die Diebes-Banden zu wappnen, werden die Mitarbeiter und das Sicherheitspersonal regelmäßig geschult. Im Citti-Park trägt diese Schulung Früchte. „Unser Hausdetektiv ist erfolgreich“ sagt Barth. Nur noch selten werde in den Geschäften des Einkaufszentrums etwas gestohlen.

*Name von der Redaktion geändert


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