Kataster der Stadt Flensburg : Historisches Mammutwerk

Freuen sich über das epochale Werk: Dr. Gerhard Kraack (links), Dr. Broder Schwensen. Foto: gdN
Freuen sich über das epochale Werk: Dr. Gerhard Kraack (links), Dr. Broder Schwensen. Foto: gdN

In 20 Jahren erarbeitete Dr. Gerhard Kraack das "historische Kataster" von 1436 bis 1795.

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13. Februar 2013, 06:13 Uhr

Flensburg | Es ist ein Mammutwerk für die Flensburger Stadtgeschichte. Rund 20 Jahre hat Dr. Gerhard Kraack (73) alte Grundbücher und ihre Vorläufer gewälzt, hat mühselig alte Handschriften auf altem Papier entziffert. Das Ergebnis seiner Bemühungen ist fertig, liegt in Buchform vor. Genauer: drei dicke Wälzer mit dem Titel "Historisches Kataster der Stadt Flensburg". Zusammengetragen sind die Häuser und ihre Besitzer von 1436 bis 1795. Herausgeber des Verzeichnisses ist die Gesellschaft für Stadtgeschichte.

Für die Gesellschaft würdigte Stadtarchivdirektor Dr. Broder Schwensen die Leistung Gerhard Kraacks: "Es ist ein Geschenk an die Stadt. Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen; in den nächsten 200 Jahren wird diese Arbeit nicht zu toppen sein!"

In der Tat: Wer einen Blick in das alte Erdbuch von 1436 tut, in die Schuld- und Pfandprotokollbücher oder die Schötebücher - alles Vorläufer der heutigen Grundbücher - weiß die Leistung des sehbehinderten Gerhard Kraack zu würdigen. Die Schrift wird erst durch ein außerordentlich mühseliges Hineinlesen erkennbar, und die alten Unterlagen waren nicht gerade Muster an Buchführung. Da wurde radiert, gestrichen und drübergeschrieben. Noch dazu gab es früher nicht die bekannten Mittel zur Orientierung: keine Straßennamen, keine Hausnummern. Die Lokalisierung erfolgte so: Ein Haus lag nördlich des Hauses von Broder Brodersen und südlich des Nis Johannsen.

Ob Schrift oder unklare Angaben: In alles fuchste sich Gerhard Kraack ein, kannte die Materie schon durch seine Erarbeitung des Flensburger Bürgerbuchs. Dr. Schwensen brachte es auf den Punkt: "Sie sind mit jedem Bürger des alten Flensburg per Du."

Erfasst wurden alle Grundstücke, Häuser und Besitzer, mit Berufen, im Gebiet der Altstadt: St. Marien und die Stadt bis zum Nordertor, St. Nikolai und St. Johannis. Welchen Nutzen bringt das historische Kataster dem stadtgeschichtlich interessierten Flensburger? Die Einzelangaben sind, außer als wertvolle Vorarbeit für stadtgeschichtliche Forschungen, kaum direkt zu verwerten. Aber es bleiben Erkenntnisse wie die: Im Jahr 1426 gab es in der Stadt 400 bewohnte Grundstücke mit 3000 Bewohnern, 1795 waren es 860 Grundstücke mit rund 9000 Bewohnern. Bei der Aufführung der Bewohner werden Flensburger Dynastien sichtbar. Und auch die Geschichte des Hauses, in dem der neugierige Leser wohnt, wird nachvollziehbar.

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