Baukultur : Historisches Innenleben eines Kaufmannshauses

Neues Raumgefühl: Eiko Wenzel und Henrik Gram (Denkmalpflege), Elisabeth Buck (HLA), Karl-Heinz Höfgen und Markus Krohm (Fachbereich Vermögen, Instandhaltung) im Foyer der Handelslehranstalt..
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Eiko Wenzel und Henrik Gram (Denkmalpflege), Elisabeth Buck (HLA), Karl-Heinz Höfgen und Markus Krohm (Fachbereich Vermögen, Instandhaltung) im Foyer der Handelslehranstalt.

Beim Tag des offenen Denkmals stehen die Handelslehranstalt und das Haus Große Straße 77 im Fokus

shz.de von
04. September 2013, 05:58 Uhr

Schon das Haus ist eine Besonderheit: Gebaut unmittelbar nach dem preußisch-dänischen Krieg, ist das Kaufmannshaus Große Straße 77 ein unübersehbares Zeichen preußischer Baukultur neben kleinen Giebelhäusern aus der dänischen Ära Flensburgs. Und dann die Wohnung im ersten Obergeschoss! „Sie ist noch fast vollständig erhalten“, schwärmt Flensburgs Denkmalschützer Henrik Gram.

Und sie ist am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, zu besichtigen. Vor allem das große, Respekt einflößende Speisezimmer steht im Fokus: dunkle, halbhohe Holzvertäfelung, die Decke aus dem gleichen Material, große Einbauschränke mit reich verzierten Türen, Wandmalereien, Fußboden aus Eichenparkett. Fast schon eine Sensation ist die Entdeckung der wahrscheinlich ältesten Zentralheizung Schleswig-Holsteins. Eingelassen in den Fußboden, verlaufen ringsum Rohre, abgedeckt mit gusseisernem Gitter – eine Art Fußbodenheizung aus dem 19. Jahrhundert.

Damit dieses Zimmer bald wieder wie ein richtiges Schmuckstück aussieht, hat hier jetzt Tischlermeister Christian Schäfer das Sagen. Fehlende oder abgenutzte Teile des Parketts baut er in seiner Werkstatt nach, das vorzugsweise alte Eichenholz beschafft er sich aus Abrisshäusern. Die Begeisterung über diesen Job ist ihm sofort anzumerken.

Begeistert ist auch Elisabeth Buck über das neue Erscheinungsbild des Foyers der Handelslehranstalt am Schlosswahl. Hier wurde nach Vorlage alter Fotos die expressionistische Gestaltung von Ende der 1920er Jahre wiederhergestellt. In enger Zusammenarbeit der stellvertretenden HLA-Leiterin, der städtischen Denkmalpflege und des Fachbereichs Vermögen, wurde auch hier ein fast schon verloren gegangenes Raumgefühl reanimiert. Es gelang sogar, Lampen, die dem Original verblüffend ähnlich sehen, und neue „alte“ schwarze Lichtschalter zu beschaffen. „Das ist etwas ganz Exklusives“, betont Denkmalpfleger Eiko Wenzel. Möglich wurde das Projekt durch Unterstützung des Fördervereins der Handelslehranstalt.

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