Hölzernes Gerippe : Historischer Fund am Hafengrund

Unbekanntes Objekt: Das Archäologische Landesamt muss noch alles sichten. Foto:  Thomsen
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Unbekanntes Objekt: Das Archäologische Landesamt muss noch alles sichten. Foto: Thomsen

Feuerwehrtaucher entdecken großes hölzernes Spantengerippe und Waffenreste. Archäologisches Landesamt will Alter bestimmen.

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18. April 2013, 10:29 Uhr

Flensburg | Als Berufsfeuerwehrmann hat Stephan Thomsen schon so einiges mitgemacht. Zur langen Liste der Berufserfahrungen kommt seit gestern eine besonders schöne: Die des Entdeckers. Am Hafengrund in Höhe der Förde-Brücke, entdeckte der Flensburger ein hölzernes Gerippe, das die Historiker noch beschäftigen wird. "Es könnte ein gesunkenes Schiff sein", sagt der Taucher.

Der Einsatz im Hafenbecken war ein reiner Routine-Job. In Amtshilfe war der Feuerwehrtaucher für die Kollegen der Wasserschutzpolizei unterwegs. "Wir hatten Thomsen gebeten, nach dem langen harten Winter das Unterwasserschiff unseres Einsatzbootes Glücksburg’ zu inspizieren", sagt Polizeisprecher Jens Albert. Am Ende des Tauchgangs war noch Luft in den Flaschen, und Thomsen entschied sich noch einen kleinen Ausflug zu machen. Das sollte sich lohnen.

"Die Sicht unter Wasser ist zur Zeit ganz hervorragend", sagt Thomsen, der entlang des Dreimasters "Sunthorice" in Richtung "Alexandra" tauchte. Auf halbem Weg fiel ihm mit einem Male im grünfarbenen Wasser eine schwarze Struktur auf dem Hafengrund ins Auge, die vorher noch nicht sichtbar gewesen ist. "Wir haben an dieser Stelle schon häufig Tauchgänge gemacht. Und was da liegt, hatten wir vorher noch nicht gesehen." Entlang der Kaimauer stieß Thomsen auf ein Gerippe aus Eichenbohlen und Hölzern, die über etwa zehn Meter Länge sichtbar waren und dann wieder im Sediment des Hafengrundes verschwinden. "Ich will mich nicht hundertprozentig auf ein Schiff festlegen", sagt Thomsen. "Es könnten auch Reste einer Brückenanlage sein. Teilweise hatte ich aber schon den Eindruck eines von innen beplankten Spantengerippes."

Er machte auf diesem Tauchgang noch drei weitere Fundsachen, von denen eine - eine Brieftasche mit Scheckkarten und Ausweispapieren - eindeutig nicht in einem historischen Kontext steht. Eher die Reste von zwei Gewehren, die sich in dieser Woche noch die Experten des Landeskriminalamtes anschauen wollen. Obwohl Thomsen sie in unmittelbarer Nähe des vermeintlichen Wracks aus dem Hafenschlick zog, ist unklar, ob die Karabiner mit Steinschloss zum Schiff gehören.

Das Rätsel vom Hafengrund wurde sehr wahrscheinlich im vergangenen Jahr schon aus dem Schlamm gespült - und zwar durch ein Schiff, dessen technischer Entwicklungsstand Lichtjahre von dem des Wracks am Meeresgrund entfernt sein dürfte. "Am 13. Mai 2012 lag genau an dieser Stelle die Dolphin Jet der Förde Reederei", erinnert sich Günter Herrmann von der Wasserschutzpolizei. Der über 45 000 PS starke Hochgeschwindigkeits-Katamaran machte in Flensburg Station auf seiner Überführungsfahrt von Tarifa (Spanien) nach Aarhus. "Ich gehe davon aus, dass der kräftige Wasserstrahlantrieb des Schiffes das Sediment weggepustet und das Wrack freigelegt hat", glaubt Herrmann.

Thomas Overdick, Direktor des Schifffahrtmuseums, ist entzückt. "Eine spannende Geschichte. Jetzt muss man sehen, dass wir das Alter bestimmt bekommen." Das Archäologische Landesamt in Schleswig hat Flensburgs Wrack seit gestern auf dem Radar. Dr. Martin Segschneider ist dort ziemlich sicher, dass es sich bei der Fundsache um die Überreste eines Schiffes handelt. Ein Tauchgang soll jetzt klären, ob das Schiff für die Archäologen interessant ist. Das ist nämlich nur der Fall, wenn es vor 1850 gebaut ist, wie Segschneider betont. "Finden wir daneben noch einen Motor aus dem Jahr 1920 - dann war’s das für uns."

Für den Kollegen Overdick in Flensburg natürlich noch nicht. Der Museumsdirektor möchte schon gerne wissen, was da vor seiner Haustür im Hafenschlick schlummert. Für ihn, besonders aber für das hölzerne Wrack gilt jetzt: Eile mit Weile. "Altes Holz ist im Hafenwasser allemal besser aufgehoben als an der Luft."

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