Hotel-Boom in Flensburg : Hilton und Handball

Kein Außenpool, nur ein voll gelaufenes Grundstück: Hier in Sonwik soll das Badehaus des Hotels „James“ gebaut werden. Fotos: Dewanger
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Kein Außenpool, nur ein voll gelaufenes Grundstück: Hier in Sonwik soll das Badehaus des Hotels „James“ gebaut werden. Fotos: Dewanger

Fünf Projekte warten auf Umsetzung: Am „Seemannsheim“ wird schon gebaut, in Sonwik und am Rathaus kommt es zu Verzögerungen.

shz.de von
30. August 2017, 06:28 Uhr

Wiedervorlage – so heißt in der öffentlichen Verwaltung, in der Politik oder bei der Justiz die Strategie, eine Akte vor dem Vergessen zu bewahren. Die Tageblatt-Redaktion holt sich öffentliche Vorgänge „auf Wiedervorlage“, das heißt, sie fragt nach, was aus diesem oder jenem Thema geworden ist. Heute: Wie steht es eigentlich um die zahlreichen Hotel-Planungen in der Stadt?

Alles begann mit dem am Ende gescheiterten Plan, am Hafen-Ostufer ein hoch aufragendes Hotel mit gold glänzender Fassade zu errichten. Seitdem diskutiert Flensburg über den Bau neuer Hotels an einem Dutzend unterschiedlicher Orte, plant, verwirft, plant neu. Nur zwei Projekte wurden bislang realisiert und sind erfolgreich, doch fünf weitere Hotel-Planungen stehen in den Startlöchern.

Der Städtetourismus boomt in Deutschland, auch in Flensburg (wir berichteten). Nicht nur die Zahl der Einwohner wächst kontinuierlich, sondern auch die Zahl der Menschen, die Flensburg einen Besuch abstatten. Die Hotels sind im Sommer weitgehend ausgebucht, berichtet Tourismus-Chef Gorm Casper – und wartet auf neue Betten. Doch die derzeit bekannten fünf Projekte lassen noch auf sich warten. So wollte Gerd Theilen („Alter Meierhof“) mit dem Bau des Hotels am Rathaus eigentlich in diesem Sommer beginnen.

Daraus wird nichts, jetzt plant er den Start für das Frühjahr 2018. Theilen will das Hotel nicht selbst betreiben, sondern hat sich mit der Hilton-Kette geeinigt; weiterer Partner ist die Flensburger Brauerei, die vor Ort ein neues Craft-Bier brauen und ausschenken will. Der Bauantrag in enger Abstimmung mit Hilton sei für Oktober geplant, so Theilen. Wenn man sich auf einen Generalunternehmer für den Bau geeinigt hat, erfolge die Ausschreibung der einzelnen Gewerke. Highlight des neuen Flensburger Hiltons wird eine Roof-Top-Bar sein.

Eine Verzögerung des Baubeginns gibt es auch beim ambitionierten Hotel-Projekt „James“ in Sonwik. Hier ist seit dem Abriss eines nicht denkmalgeschützten Bauteils am Ende des letzten Bundeswehr-Gebäudes nicht mehr viel Sichtbares geschehen. Hinter den Kulissen laufen die Planungen jedoch weiter, bekräftigt Stephan Johannsen, der das Projekt zusammen mit Jan Pinno plant.

„Wir haben für die Planung des Interieurs, der Gestaltung, der Ausrichtung und Konzeption mehr Zeit verwendet als geplant“, so Johannsen. Man erwarte in Kürze die Baugenehmigung. Baubeginn könne Ende 2017 oder Anfang 2018 sein, die Bauzeit schätzt er auf eineinhalb Jahre. Anfangen werde man mit dem Badehaus, das an Stelle des abgerissenen Bürohauses errichtet wird – und wegen seiner Dimensionen bei Anliegern im gegenüber liegenden Kapitänshaus auf Ablehnung stößt.

Eine grundsätzliche Zustimmung der städtischen Gremien gibt es auch für das Sport-Hotel, das die beiden Handball-Förderer Lewe Volquardsen und Hermann Dethleffsen an der Eckener-Straße quasi als Erweiterung der Handball-Akademie planen. Beschlossen wurde, einen entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen. Auf einem Teil des früheren Storno/Motorola-Geländes sollen ein Hotel mit angeschlossener Sporthalle (46 mal 34 Meter) und weiteren sportnahen Einrichtungen gebaut werden. „Wir haben in den nächsten fünf Wochen mehrere Gespräche mit Stadt und Politik“, sagt Volquardsen. „Mit der reinen Hotelplanung sind wir schon relativ weit.“ Zum Gesamtkonzept gehören Physiotherapie, Wellness, Kältebad, Angebote für Athletiktraining und Coaching – „alles, um Leistungssportler bedienen zu können“.

Noch in den Kinderschuhen stecken die Pläne für ein Hotel an der Bahnhofstraße auf dem Gelände der Hauptpost (wir berichteten). Hier wollen die Eigentümer des Grundstücks, Jan Duschkewitz und Ralf Hansen, unter anderem ein Parkhaus, Wohnungen und ein Hotel errichten, außerdem eine fußläufige Verbindung von der Schleswiger Straße zur Bahnhofstraße schaffen. Die Stadt weiß von den Plänen, einen entsprechenden Bebauungsplan gibt es noch nicht.

Ein Trio ist seit einigen Monaten an der Schiffbrücke aktiv. Fabian Keller, Sandra Nielsen und Ben Heinrich machen aus dem Gebäude der früheren Gaststätte „Störtebeker“ direkt neben dem Schifffahrtsmuseum ein „Seemannsheim“. Gedacht ist hier ein Hostel mit Mehrbettzimmern und gemeinsamem Nassbereich, es wird aber auch Hotel-Zimmer mit eigenen sanitären Anlagen geben. Im Erdgeschoss wird das Restaurant „Hafenküche“ errichtet. Zielgruppe sind nicht zuletzt Besucher des Historischen Hafens, Crews von Traditionsseglern und Rucksack-Touristen. Und wann wird eröffnet? „Wenn wir fertig sind“, sagt Fabian Keller verschmitzt.

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