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Kleingartenkolonie Peelwatt : Hilferufe aus dem „Paradies“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kleingärtner kontra Krankenhaus-Neubau Peelwatt: Oberbürgermeisterin reagiert auf offenen Brief der Pächter an die Stadt

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 06:34 Uhr

„Kleingärtner haben ständig Angst, dass ihnen Grund und Boden genommen wird“, sagt Peelwatt-Pächterin Ines Franck. Allein fünf Kolonien auf der Rude, an der Kanzleistraße und am Katharinenhof sind in den letzten vier Jahren an die Stadt wegen aktueller Bauvorhaben abgegeben oder angeknabbert worden. Und auch die jüngsten Pläne der Stadt, den Neubau einer gemeinsamen Klinik von Diako und Maltesern an den Standort Peelwatt zu legen und damit womöglich Teile einer Kleingartenkolonie zu opfern, beweisen, dass diese Ängste nicht unbegründet sind. Oberbürgermeisterin Simone Lange versucht derweil, die Situation zu beruhigen.

Die Pächter kritisieren die Empfehlung, für den gewählten Standort ein Bauleitplanverfahren einzuleiten. Nachdem der gefundene Konsens der Lenkungsgruppe am letzten Donnerstag bekannt wurde, fand sich ein gutes Dutzend spontan zusammen, um ein Protestschreiben zu erarbeiten. In einem zweiseitigen, emotional gehaltenen offenen Brief an die Oberbürgermeisterin und zuständige Gremien fordern sie, die Pläne zu überdenken. Sollte man ihnen die Gärten nehmen, sei das mit Geld nicht aufzuwiegen: „Die Vertreibung aus dem Paradies kann man nicht entschädigen!“ Letztlich gehe es ihnen aber nicht um Geld – man wolle die Gärten „als wesentlichen Teil unserer Lebensleistung“ erhalten. Selbst wenn nicht alles Grün für den Klinikbau weichen müsse, sei allen Pächtern klar, dass es „hier vorbei ist mit der Ruhe und Idylle“.

Besonders hart trifft die Gartenfreunde der Vorwurf von Planungschef Peter Schroeders, die Stadterneuerung sei an den Kolonien völlig vorbei gegangen. „Die sehen noch aus wie 1960“, hatte Schroeders im Planungsausschuss erklärt. „Mit unsachlichen Einwänden will man uns jetzt, wo der Baugrund knapp wird, den Boden unter den Füßen wegziehen“, sagt dazu Ines Franck. „Das schürt ja regelrecht Widerstand.“

Hans-Hermann Otten, Vorsitzender des Vereins der Gartenfreunde, zeigte sich von der Nachricht völlig überrascht. „Damit hatte ich nie und nimmer gerechnet.“ Noch vor drei Wochen hatte er im Rahmen eines gemeinsamen Flohmarkts versucht, den Pächtern ihre Sorgen zu nehmen. Nun hofft er auf ein klärendes Gespräch mit Oberbürgermeisterin Lange.

Peelwatt ist in fünf Einzelkolonien aufgeteilt. Selbst eine kleine Tierkolonie gibt es hier, in der Schafe und Hühner gehalten werden. Die Gesamtfläche der Parzellen beläuft sich auf sechs Hektar, etwa ein Drittel Freiflächen, wie etwa Wege oder die Peelwatt, dürften nach Schätzungen Ottens hinzukommen. Von den 115 Parzellen sind 45 derzeit nicht belegt. Der Vorsitzende ergänzt, dass zwei Kolonien an der Marienhölzung und Husumer Straße geräumt worden seien, weil sie wegen der ungünstigen Lage nicht nachgefragt worden seien. „Innerstädtische Parzellen aber sind begehrt, dafür gibt es sogar Wartelisten.“ Derzeit existieren 75 Kolonien in der Stadt.

Simone Lange erklärte gestern gegenüber dem Tageblatt, dass sie die Verunsicherung der Pächter nachvollziehen könne. „Aber unser Leitziel bleibt, keinen einzigen Kleingarten zu verlieren – auch im Sinne einer Stadterneuerung.“ Im Bereich von Peelwatt seien Gärten – „möglicherweise modernisiert“ – und Klinikum durchaus miteinander vereinbar. In einer wachsenden Stadt müsse man auch Kleingärten als Wachstumsfaktor begreifen. „Wir werden im Gespräch mit den Betroffenen gemeinsam etwas entwickeln.“

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