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Jugendhilfe in Flensburg : Hilfe in akuten Lebenskrisen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Beratungszentrum für Paar-, Familien-, Erziehungs- und Lebensfragen bietet seit 1972 schnelle Hilfestellung bei persönlichen Problemen

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2015 | 12:55 Uhr

Er war noch jung. Schüler aus der Oberstufe eines Gymnasiums. Und er hatte massive Probleme: Drogenmissbrauch, sozial ausgegrenzt, die Psyche angeschlagen. Ein Therapieplatz wurde ihm angeboten – mit einer Wartezeit von zwei Jahren!

Ein Fall für das Beratungszentrum am Johanniskirchhof. Hier wird ein erstes Gespräch in der Regel innerhalb von zwei Wochen vereinbart. „Wir können die Klienten meistens stabilisieren, bevor psychotherapeutische Maßnahmen in Gang gesetzt werden“, sagt Diplom-Psychologin Christiane Brüllke, Leiterin der Einrichtung. Im Fall des Schülers bedeutete das: Er musste sich ein Dreivierteljahr gedulden, in dem er kontinuierliche Unterstützung in Anspruch nahm – dann konnte er eine Therapie beginnen, allerdings südlich von Hamburg.

Das Beratungszentrum steht nicht nur für die Übergangszeit, sondern auch für die Nachsorge zur Verfügung. „Leider ist unser Angebot noch nicht richtig im öffentlichen Bewusstsein verankert“, bedauert Christiane Brüllke. Dabei hat das Team mit drei hauptamtlich und zehn freiwillig Engagierten eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen: So wurden allein im Jahr 2014 fast 1600 Beratungsgespräche in 434 Fällen geführt. Fast zwei Drittel davon betreffen Jugendliche, junge Erwachsene oder Klienten mit Kindern.

„Der Bereich Jugendhilfe ist stark vertreten, aber wir sind Anlaufstelle für alle, die in einer Krise stecken“, betont Brüllke. Auch die Ehe- und Paarberatung wird häufig in Anspruch genommen. Niemand wird aus finanziellen Gründen abgewiesen. Die Beratung erfolgt auf Wunsch anonym und ist unabhängig von jeder Konfession. Dabei tauchen Fragestellungen auf wie: Warum überfordert mich meine Arbeit (Burnout)? Wie kann ich meine Ehe retten? Warum schlägt mich mein Freund (oder meine Freundin)? Es kommen Klienten, die Probleme mit ihrer sexuellen Orientierung haben genauso wie solche, die nach einer Scheidung oder dem Tod des Partners in ein tiefes Loch fallen oder sich in anderen Fällen Begleitung bei einem Trauerfall wünschen. Thematisiert wird ebenso Pragmatisches wie die Wahl eines richtigen Studienfachs.

Eine Diagnostik findet nicht statt, zur weitergehenden Behandlung wird an Fachinstitutionen vermittelt. „Wir arbeiten auf Augenhöhe, stellen die Stärken der Menschen in den Mittelpunkt, nicht das Drama“, erläutert Christiane Brüllke. Das Spektrum des Teams unter dem Dach der Diakonie ist breit gefächert. So finden sich dort Berufe wie Diplom-Pädagoge, Betriebswirt, Jurist, Erzieherin oder Kinderkrankenschwester. Auch ein Pastor im Ruhestand ist dabei. Viele haben Fortbildungen absolviert, etwa als Mediator, Heilpraktiker, Gestalt-, Familien- oder Systemtherapeut. Und selbstredend gilt auch hier die Schweigepflicht. Das Credo des Teams: „Unsere Klienten bekommen keine Deutungen, sondern Raum für ihre Worte, Raum fürs Schweigen und Nachdenken.“

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