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Gesprächsgruppe im Gefängnis : Hilfe für Häftlinge: „Wir brennen für diese Idee“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verein für soziale Verantwortung will Unternehmer als „ehrbare Kaufleute“ in die Pflicht nehmen.

Flensburg | Sie haben eine kriminelle Karriere hinter sich, neigen zu aggressiven Ausbrüchen, ihre besten Freunde: Alkohol und Drogen. Sie sitzen im Gefängnis und warten auf bessere Zeiten. Doch sie finden keinen sozialen Halt, der ihnen Orientierung gibt oder gar eine Perspektive.

An diesem Punkt setzt die Arbeit von Anja Nielsen und Peter Jacobsen an. Die Gruppenleiter von „Kim in der JVA“ bieten einmal wöchentlich eine Gesprächsgruppe im Rahmen der katholischen Gefängnisseelsorge an, die nach zögerlichem Beginn inzwischen großen Anklang findet. Das Spektrum reicht vom Beratungsgespräch bis hin zur Suizid-Krisenintervention. Oft sind es junge Strafgefangene oder U-Häftlinge, die zu ihnen kommen – freiwillig, versteht sich. „Die Jungs schütten ihr Herz aus, viele sind durch Schicksalsschläge traumatisiert“, sagt Anja Nielsen, „da tun sich schlimme Probleme auf.“

Ihrer Überzeugung nach gehören einige von ihnen nicht ins Gefängnis, sondern in psychotherapeutische Behandlung, damit sie für das Leben „danach“ besser gewappnet sind. Es gehe darum, dass sie nach ihrer Entlassung nicht sofort wieder in ihre alten Kreise geraten, sondern gesellschaftlich integriert werden.

Wie kann man diesen Menschen aus der Bredouille helfen, ihnen eine berufliche Zukunft bieten? Diese Frage führte die beiden an die Adresse der dänischen Initiative „Highfive“. Das weit verzweigte Netzwerk, das von Unternehmen und Kommunen finanziert wird, will jungen Leuten, die auf der Kippe stehen, zu einem lebenswerteren Leben verhelfen. Wie dem gelernten Zimmermann, einem hartgesottenen Burschen, der wegen Drogenhandels zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Er schrieb aus dem Gefängnis heraus Bewerbung um Bewerbung – und erntete nur Absagen. Anja Nielsen und Peter Jacobsen erlebten den Mann im Rahmen einer Veranstaltung, auf der er freimütig über seine Erfahrungen berichtete. „Mich will ja keiner“, so sein ernüchterndes Fazit. Doch über „Highfive“ fand er einen Job, den er bis heute nicht verloren hat. „Ich bin glücklich und dankbar über die Chance, die man mir gegeben hat“, sagte er.

Die beiden Flensburger waren derart fasziniert, dass sie die dänische Idee nun über die Grenze tragen wollen. „Wir brennen für diese Idee und appellieren an hiesige Firmen, sich ihrer Verantwortung zu stellen,“ sagt Jacobsen, der bis 2009 noch in der Führungsebene des Tesa-Werkes tätig war und sich nun „den Krisen der Menschen stellen“ will. Ihr in Gründung befindlicher „Verein für soziale Verantwortung“ richtet sich an „ehrbare Kaufleute“, die denen, die arbeiten wollen, drogenfrei leben, keine Straftaten begehen und einen festen Wohnsitz haben, Praktika und Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Zur Anschubfinanzierung suchen sie Unternehmen, die sich mit je 10 000 Euro einbringen. Das Geld fließt in Vorträge, Schulungen und Seminare. „Eine Investition, die sich auszahlt“, ist sich Jacobsen sicher. „Es geht hier um Menschen – nicht um Monster.“

Kontakt: P. Jacobsen, Telefon 12077855


 

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