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Medikamenten-Spende : Hilfe für die Sozialapotheke

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Deutsch-Griechische Gesellschaft spendet Medikamente, ein medizinisches Gerät und Verbandsmaterial.

Flensburg | Die Sparzwänge des griechischen Staates und seine katastrophalen Folgen für große Teile der Bevölkerung sind hinlänglich bekannt. Doch wie sieht es aktuell vor Ort aus bei einem EU-Mitgliedsland, in dem Menschen nach einem Jahr Arbeitslosigkeit komplett aus der gesetzlichen Krankenversicherung herausfallen?

Die Deutsch-Griechische Gesellschaft Flensburg (DGG) hat bereits mehrfach Geld gespendet, mit dem Medikamente für bedürftige Griechen finanziert wurden. In diesem Jahr wurde der Erlös des Bergmühlenfestes jedoch anders eingesetzt: Die DGG schloss sich einer Initiative des Flensburger Onkologen Gert Kotter an, der über zwei Ärzteblätter Kollegen zum Spenden nicht benötigter Medikamente aus dem Musterschrank aufgefordert hatte. Trotz Flüchtlingsdramatik im eigenen Land kamen viele Medikamente sowie medizinisches Gerät und Verbandsmaterial in Flensburg an, insgesamt zehn große Umzugskartons im Wert von etwa 20  000 Euro.

Den Transport übernahmen DGG-Vorsitzender Günther Wahlen und Frau Carla-Maria persönlich mit ihrem Privat-Pkw in die griechische Festlands-Stadt Katerini, südwestlich von Thessaloniki gelegen. Dort besteht eine europaweit bekannte private Initiative namens Social Medical Care, eine Sozialapotheke. 150 Ehrenamtler kümmern sich um ihre Organisation. Für die nötigen Räume wurde eine vom Verfall bedrohte ehemalige Zigarettenfabrik besetzt, die mittlerweile legal genutzt wird. Dort kommen mit steigender Tendenz Medikamente aus ganz Europa an – jetzt auch aus Flensburg. „Nach herzlich-dankbarer Begrüßung wurden unsere Kartons sofort ausgeladen, der Inhalt geprüft und in ein Online-Inventar gestellt, damit sie sofort ihren sozialen Zweck erfüllen konnten“, erzählt das Ehepaar.

Die Verschreibung erfolgt über spezielle Sozialrezepte. Eine approbierte Apothekerin wacht über die Ausgabe in der Sozialapotheke. Diese Patienten erhalten die gespendeten Tabletten kostenlos, die sie ansonsten selbst bezahlen müssten, was sich die meisten nicht leisten können. Die Alternative wären diagnostizierte, mangels Geld jedoch nicht behandelte Krankheiten mit durchaus fatalen Folgen. Etwa 400 Patienten werden auf diese Weise derzeit betreut, auch diagnostisch von freiwillig arbeitenden Ärzten. Ein eigener Untersuchungsraum wird im Moment kaum genutzt, da nach der jüngsten Regierungsbildung Krankenhausärzte wieder Untersuchungen für nicht versicherte Patienten ausführen dürfen – gegen fünf Euro Gebühr. Im Juni dieses Jahres herrschte in Griechenland eine Arbeitslosenquote von 25,2 Prozent.

Die Not im griechischen Gesundheitswesen ist derart elementar, dass selbst Ärzte aus dem benachbarten Krankenhaus in die Sozialapotheke kommen, um sich mit Desinfektionsmitteln, Einmalspritzen und Handschuhen zu versorgen. „Die Flensburger Spende kommt direkt dort an, wo sie dringend gebraucht wird, und zwar ganz pragmatisch ohne administrativen Wasserkopf“, freuen sich die Wahlens. Bemerkenswert finden sie, dass sich viele Griechen trotz erheblicher Widrigkeiten für die Sozialapotheke in Katerini engagieren.



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erstellt am 09.Nov.2015 | 14:30 Uhr

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