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Kooperative Leitstelle Nord : Hilfe für den Norden kommt aus Harrislee

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kooperative Leitstelle Nord koordiniert von Harrislee aus alle Einsätze von der Feuerwehr und der Notfallrettung. 87 000 Notrufe gingen 2014 ein.

Flensburg | Die Frau am Telefon klingt beunruhigt, aber nicht panisch. Sie fragt nach einem Krankentransport von ihrem Wohnort in eine Klinik in der Nähe. Björn Wiese, Mitarbeiter der Kooperativen Leitstelle Nord in Harrislee, nimmt ihre persönlichen Daten auf und fragt, ob der Transport liegend oder sitzend gewünscht ist. Und beendet das Gespräch mit dem Versprechen: „Wir schicken einen Wagen los.“

Mit solchen Anrufen haben es die Mitarbeiter in der Leitstelle Am Oxer 40 täglich zu tun. Mal mehr, mal weniger. Bei Wiese, der für den Bereich Schleswig-Flensburg zuständig ist, klingelt das Telefon heute weniger, aber es steht nicht still. Bei seinem Kollegen, der Anrufe aus Flensburg annimmt, sieht das anders aus. Dort leuchtet die rote Lampe: Das Zeichen, dass der Mitarbeiter im Gespräch ist – permanent. Rund um die Uhr sind die Arbeitsplätze in der Leitstelle besetzt, insgesamt 24 Mitarbeiter nehmen die Notrufe entgegen, die unter 112 eingehen, und koordinieren die Einsätze der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Flensburg sowie in den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland (einschließlich den Inseln) – für den ganzen Landesteil. Auch Krankentransporte gehören dazu. Während einer Schicht sitzen fünf Mann an den Arbeitsplätzen: Drei für die zu betreuenden Regionen, eine zusätzliche Kraft, die Anrufe annimmt, wenn die anderen Telefone belegt sind und der Schichtleiter.

Geht ein Anruf ein, ist viel Konzentration gefragt. Schließlich muss der betreffende Mitarbeiter innerhalb von Sekunden entscheiden, was zu tun ist. Alle sind vom Fach und haben sich entweder zum Rettungsassistenten oder zum Gruppenführer bei einer freiwilligen Feuerwehr ausbilden lassen. Auf fünf Bildschirmen koordinieren sie jeden einzelnen Einsatz. Die Programme sind sehr komplex, deshalb wird jeder Mitarbeiter zwei Monate lang eingearbeitet, bevor er seine Beschäftigung startet, erklärt Leitstellen-Chef Achim Hackstein.

Das System ist bis auf den letzten Klick durchgeplant, damit bei einem Notruf nichts schief geht. Wiese deutet auf einen Bildschirm und ruft eine Übersichtskarte auf, die zeigt, wo sich gerade ein Rettungswagen befindet. „Wenn jemand anruft, kann ich sehen, welcher Rettungswagen gerade in der Nähe des Unfallorts ist und schicke ihn dann direkt hin“, sagt er. Bis vor ein paar Monaten waren die digitalen Karten veraltet und erschwerten den Helfern den Weg zum Einsatzort. Das Problem ist Hackstein zufolge nun behoben. „80 Prozent der Karten sind aktualisiert“, sagt er. Lediglich Neubaugebiete seien noch nicht erfasst. Zusätzlich stehen aktuelle Luftbilder zur Verfügung.

Auf einem anderen Bildschirm sieht er, welcher Wagen aktuell einsatzbereit ist. „Jeder Wagen ist mit einer farbigen Zahl gekennzeichnet“, erklärt er. Grün bedeutet, dass das Fahrzeug ohne Patient unterwegs und abrufbereit ist. Die orangefarbene Zahl zeigt Wiese, dass ein Wagen auf dem Weg zu einem Patienten ist, und ein rot markierter Wagen transportiert gerade einen Patienten. Schnell sucht er nach einem Fahrzeug, das den Krankentransport der vorherigen Anruferin übernehmen kann. Doch es ist gerade keins frei.

Als der nächste Anruf eingeht, ruft Wiese auf einem kleinen Bildschirm einen Fragenkatalog auf. Zuerst fragt er den Anrufer nach Notfallort und Telefonnummer und geht erst dann auf das Problem vor Ort ein. „Die ersten beiden Daten sind wichtig für den Fall, dass das Gespräch abbricht“, erzählt Wiese, nachdem er auflegt. Dann könne er die Person zurückrufen und schon einmal einen Rettungswagen informieren. Bricht das Gespräch nicht ab, klärt Wiese, ob es sich um ein Feuer oder einen medizinischen Notfall handelt. Solange es nötig ist, können die Mitarbeiter der Leitstelle mit dem Patienten oder den Angehörigen in Kontakt bleiben und sie beispielsweise im Falle einer Reanimation unterstützen.

Die Notrufe variieren je nach Anliegen. Vom einfachen Mückenstich über den Herzinfarkt bis zum Großfeuer ist alles dabei. Bei einer Naturkatastrophe oder dem Stromausfall am vergangenen Sonntag kommt es vor, dass zusätzliche Mitarbeiter arbeiten müssen, um die hohe Anzahl der Anrufe bewältigen zu können. Wird die Polizei bei einem Einsatz benötigt, geben Wiese und seine Kollegen nur den Einsatzort durch. „Bei einem Verkehrsunfall mit Alkohol im Spiel erfährt die Polizei nur von dem Unfall“, so Wiese. „Die Umstände müssen die Beamten selbst ermitteln.“

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erstellt am 14.Aug.2015 | 14:30 Uhr

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