zur Navigation springen

Psychiater Volker Busch im Audimax : „Heutzutage leidet jeder unter ein bisschen ADHS“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

sh:z-Wissensimpulse: Der Neurologe und Psychiater Volker Busch über die Folgen der Digitalisierung

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 07:17 Uhr

„Die Sucht nach dem Handy hat im Gehirn die gleichen Auswirkungen wie die Sucht nach Nikotin“, erklärt Volker Busch, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Psychotherapie. Am Dienstagabend überzeugte er im gefüllten Audimax auf dem Campus. Im Rahmen der achtteiligen sh:z-Vortragsreihe „Wissensimpulse“ unter dem Motto „Vorsprung durch Wissen“ galt Buschs Vortrag dem Thema Konzentration und Multitasking im Alltag.

Wer nachts nicht schlafen kann, mit den Zähnen knirscht oder nach der Arbeit Spannungen im Körper verspürt, ist damit nicht allein: Mit rund einem Viertel aller berufstätigen Deutschen, die unter physischen oder psychischen Problemen als Folge von Stress im Alltag leiden, liegt der Anteil hoch. Was kann der Grund hierfür sein und wie lässt sich Stress vermeiden? „Kein medizinischer Vortrag“ sollte es werden, und damit blieb Volker Busch sich treu; mit einigen wenigen medizinischen Fakten und durchdachter, amüsanter Präsentation machte er Veränderungen im Gehirn auch für normal Sterbliche verständlich.

In seinem Vortrag ging er vor allem auf die Digitalisierung und deren Folgen ein. Obwohl er selbst zu den Menschen gehöre, die ihr Handy gerne nutzen und brauchten, sehe er Nachteile im ständigen Gebrauch.

In einer Welt, in der es zunehmende Vorraussetzung sei, immer schneller, immer mehr Aufgaben gleichzeitig bewältigen zu müssen, sei es wichtig, ein Gleichgewicht zu finden, sagt Volker Busch. Man müsse lernen, zu Hause abschalten zu können und der Reizflut der Digitalisierung auch mal Einhalt zu gebieten. Stille und Ruhe seien heute Luxusgüter. „Auch mal offline sein und dabei Disziplin zeigen“ ist für ihn der Schlüssel zum Stressabbau.

Wo sich Volker Busch sicher ist: „Heutzutage leidet jeder unter ein bisschen ADHS“. Unsere Fähigkeit zur Fokussierung und Ausdauer sei vor allem durch die Digitalisierung erheblich eingeschränkt. „Wir verlernen, uns auf eine Sache zu konzentrieren, bei einer Sache zu bleiben“.

Durch die Reizflut und die ständige Ablenkung durch digitale Medien würden wir Aufgaben zu oberflächlich bearbeiten. Vor allem im Kindesalter sei es wichtig, genau diese Fähigkeit zu trainieren.

Mit berührenden bis lustigen Geschichten aus dem Privatleben gespickt, gewährte er dem Publikum einen Einblick in die Welt der Psychotherapie. Ob ironisch über die „Selbstdisziplin“ der fünfziger Jahre diskutierend oder im Frage-Antwort-Spiel mit dem Publikum; die Aufmerksamkeit der Zuschauer war ihm sicher.

Wenn dann kurzerhand eine Grußbotschaft an seine Studenten in Regensburg gedreht wird, um ihnen zu zeigen, wie ein gefüllter Hörsaal auszusehen hat, ist der Applaus nicht weit. Nah am Menschen, unterhaltsam und mit vielen Pointen, findet Busch einen brillanten Weg, sein Wissen zu veranschaulichen und zu vermitteln. Busch beendete seinen Vortrag mit einem tiefsinnigen Zitat von Hans Arp: „Einst wird man von der Stille und der Ruhe wie von einem Märchen erzählen.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen