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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 15:55 Uhr

"Heute bin ich mutiger"

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Verankert im abstrakten Expressionismus: Der Künstler Rolf Rose aus Krempe wird 80 Jahre alt

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2013 | 11:48 Uhr

Krempe. Die Mühle mit gestutzten Flügeln steht - von weitem sichtbar - trotzig am Horizont. Krempe: Seit 1979 ist der Ort nahe Itzehoe Heimat von Rolf Rose. Der berühmte Maler, der international geschätzte Grafiker, der im abstrakten Expressionismus seine Farb-Spuren hinterlassen hat, feiert heute seinen 80. Geburtstag.

"R R": Zwei große Buchstaben auf dem Postkasten weisen den Weg zu seinem Wohnhaus. "Zum Atelier geht’s hier entlang." Rose, agil und drahtig, geht voraus. Im Erdgeschoss liegt sein Heiligtum. Es riecht nach Ordnung. Nicht nach Farben.

An den Wänden lehnen großformatige, monochrome Arbeiten. Die überdimensionierten Spachtel liegen penibel geordnet im Regal. Die Farben flirren auf Leinwand und Holz. "Die Leuchtkraft kommt vom Pigment." Der Raum - etwa zehn mal vier Meter groß - ist für einen Meister der Großformate überraschend klein. Die hohe Decke sorgt dagegen für Volumen. Rose passt es. "Denn je größer der Raum, umso mehr Wahnsinn macht man." 

Der charismatische Künstler kommt gleich zur Sache. 1953 sei er in Hamburg gelandet, gebürtig stamme er aus Halberstadt im Harz. Lange Zeit war er ein Suchender, musste sich in der Hansestadt mit Jobs durchschlagen. Anfangs hat er ans Schreiben gedacht. "Doch nur Worte schreiben, mit einem Bleistift am Schreibtisch sitzen, das war mir zu abstrakt", zog Rose rechtzeitig die Notbremse. Malerei sei dagegen ein Handwerk. Haptik: Das lag ihm eher.

Um die Akademie hat Rose bewusst einen großen Bogen gemacht. Er schwärmte in den frühen 60er Jahren für die Amerikaner. Die progressiven Reformer. Er saugte sie auf, die ineinander verschwimmenden, monochromen Farbflächen eines Mark Rothko, die wuchtige Abstraktion eines Barnett Newman. Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, Jackson Pollock, Emil Schumacher - für die Kunst-Ikonen des 20. Jahrhunderts kann er sich begeistern.

Es dauerte nicht lange, da hatte Rose seine eigene Handschrift gefunden. 1969 bewies Michael Hauptmann in seiner gerade eröffneten Galerie für zeitgenössische Kunst in den Colonnaden Instinkt und zeigte die erste Einzelausstellung mit Arbeiten von Rolf Rose. Heute hängen seine Werke in bedeutenden öffentlichen Sammlungen und Galerien, die Hamburger Griffelkunst-Vereinigung hat ihn 1985 erstmals verlegt. 

Kunst ist für den Jazzfan keine Qual: "Sie setzt Energien frei und ist lebensverlängernd." Um Ideen musste er zudem nie ringen: "Ich denke mir nichts aus. Kunst funktioniert über die Erfahrung. Der individuelle Entstehungsprozess ist eine Balance zwischen Versuch und Irrtum." Roses Werk lebt vom Moment und gleichzeitig mathematischer Strenge: "Ich fange spontan an. Danach sortiere ich aus, lasse Dinge nicht zu."

Rolf Rose ist - kurz vor dem 80. Geburtstag - auf eines besonders stolz: "Ich bin heute mutiger."Die Hamburger Galerie Sfeir-Semler an der Admiralitätsstraße 71 zeigt vom 14. März (18-20 Uhr) bis 20. April zu Ehren von Rolf Rose eine Sonderschau. 2003, zum 70. Geburtstag, richtete die Hamburger Kunsthalle in der Galerie der Gegenwart eine Retrospektive aus.

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