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Lesung in der Marineschule : Herta Müller: Literatur, die Schmerzen bereitet

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Literatur-Nobelpreisträgerin kommt im November zu einer Lesung und einer Diskussion nach Flensburg. Die Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar übernimmt die Schirmherrschaft.

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2016 | 11:00 Uhr

Flensburg | Darauf hatte Swetlana Krätzschmar lange gewartet. Jetzt ist die ersehnte Antwort da: Die Schriftstellerin Herta Müller hat zugesagt, „Ihrer freundlichen Einladung“ Folge zu leisten: „Ich würde gern mal wieder nach Flensburg kommen“, lässt die Literatur-Nobelpreisträgerin wissen.

Die Stadtpräsidentin hat die Schirmherrschaft für das Ereignis übernommen. Sie sieht es als eine besondere Ehre und Herausforderung zugleich, dass die publikumsscheue Autorin in der Aula der Marineschule lesen wird. „Ein einmaliges deutsch-dänisches Literaturprojekt, das wir mit Hoffnung und Orientierung ausfüllen wollen.“ Eingebunden sind die Stadtbibliothek Flensburg sowie die Deutschen Büchereien in Nordschleswig.

2009 war Herta Müller schon einmal in Flensburg. Sie bestritt Ende Juli den Auftakt zum Literatursommer mit einer Lesung aus ihrem damals aktuellen Roman „Atemschaukel“. Darin geht es um die Deportation eines Siebzehnjährigen in ein sowjet-ukrainisches Arbeitslager, das exemplarisch für das Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen nach dem Zweiten Weltkrieg steht. Vier Monate später wurde sie mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet.

Im November dieses Jahres nun – ein genauer Termin steht noch nicht fest – wird Herta Müller erneut eines ihrer Werke vorstellen: In „Mein Vaterland war ein Apfelkern“ erzählt sie von ihrer Kindheit in Rumänien, vom erwachenden politischen Bewusstsein, von den frühen Begegnungen mit der Literatur, den Konflikten mit der Diktatur des Kommunismus und dem eigenen Weg zum Schreiben.

Bei einer reinen Lesung wird es nicht bleiben. Es ist darüber hinaus eine Diskussion mit dem Schriftsteller und Leiter des Literaturhauses Berlin, Ernest Wichner, vorgesehen, der ebenfalls in Rumänien aufgewachsen ist. „Ein Kenner nicht nur der Literatur, sondern auch der politischen Strukturen, der uns einen Erkenntnisgewinn bescheren wird“, ist sich die Stadtpräsidentin sicher. Kaum jemand habe derart eindringlich in Worte gefasst, wie man sich als Minderheit in einer Diktatur fühlt, den Schrecken der Gewalt, die Abgründe in gestörte Persönlichkeiten beschrieben, würdigt sie das Schaffen von Herta Müller.

„Ich bin entsetzt darüber, was Menschen anderen Menschen antun können“, sagt sie mit Blick auf die Übergriffe auf Flüchtlinge und Asylunterkünfte. „Die Themen Fremdheit, Identität und Toleranz sind aktuell wie nie.“ Claudia Knauer, Direktorin der Büchereien in Nordschleswig ergänzt, dass die Problematik auch im Grenzgebiet immer präsent gewesen sei – vom Gegeneinander über das Nebeneinander zum Miteinander. „Heute können wir dankbar sein, was wir hier haben.“


>Es wird noch etwa die Hälfte der für die Lesung erforderlichen 5000 Euro benötigt. Spendenkonto des Fördervereins Stadtbibliothek, Nospa DE29217500000000000281. Stichwort „Herta Müller“.

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