Trotz Rockerverbot aktiv : Hells Angels: Razzia in Flensburg

Die 'Hells Angels' Flensburg sind verboten - und bleiben es.
Die „Hells Angels“ Flensburg sind verboten - aber die Stadt wird die Rocker trotzdem nicht los.

Offenbar haben die verbotenen „Hells Angels“ trotz Verbot ihren Verein in Flensburg in nahezu unveränderter Weise weiter geführt. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt haben Wohnungen und das Vereinsheim in Flensburg durchsucht.

shz.de von
05. Juni 2014, 14:33 Uhr

Flensburg | Am Mittwochabend durchsuchte ein Großaufgebot der Polizei und der Staatsanwaltschaft Flensburg insgesamt 13 Wohnungen in Flensburg und Umgebung von Mitgliedern des verbotenen „Hells Angels MC Charter Flensburg“. Auch das ehemalige Vereinsheim in der Batteriestraße sowie eine Gaststätte an der Schiffbrücke in Flensburg wurden durchsucht. Das Innenministerium verdächtigt die Rocker des im April 2010 verbotenen Vereins, diesen in nahezu unveränderter Weise fortgeführt zu haben.

Für die Flensburger Bevölkerung wird dies keine wirklich überraschende Erkenntnis sein, da die Rocker auch vier Jahre nach ihrem Verbot nicht aus dem Stadtbild verschwunden waren. „Das ist schon eine lange Zeit“, gibt auch LKA-Sprecher Stefan Jung zu. Allerdings habe die Soko Rocker, die eigens für die Bekämpfung der Rocker-Kriminalität gegründet wurde, im Raum Flensburg viel zu tun. Unter anderem beschäftigten ein Unfall auf der A7 und ein Axt-Angriff im Rocker-Milieu die Ermittler. „Der Verstoß gegen das Vereinsrecht ist eine Straftat, aber es gab schwerere Verstöße, die untersucht werden mussten.“

Mittlerweile hatten die Ermittler aber genug Hinweise gegen die „Hells Angels“ gesammelt. Nach den bisherigen Ermittlungen hat es nach dem Verbot regelmäßige geplante Treffen vor der Gaststätte an der Schiffbrücke und gemeinsame Feiern im ehemaligen Clubhaus der Hells Angels gegeben. Nach dem Verbot des Vereins wurde das entfernte „Hells Angels“ Schild zunächst durch ein „Red Devils“-Schild ersetzt, das dann später gegen ein Schild mit dem Schriftzug „Red and White“, den offiziellen Farben der „Hells Angels“, ausgetauscht wurde.

Es besteht der Verdacht, dass dieser Treffpunkt weiterhin als inoffizielles Clubhaus durch die ehemaligen Mitglieder genutzt wird. Die Mitglieder traten in „Hells Angels“-Charter anderer Städte ein, um auf ihre Kleidung mit den verbotenen Kennzeichen andere Städtenamen aufzubringen. Damit glaubten sie offenbar, die Kutten zu legalisieren und diese in der Öffentlichkeit weiter zu präsentieren können.

Die Staatsanwaltschaft stellt allerdings fest, dass die getragenen Kutten aufgrund ihrer optischen Gestaltung mit dem Hauptschriftzug „Hells Angels“, den kennzeichnenden Farben rot-weiß und dem Symbol des geflügelten Totenkopfes den verbotenen Kleidungsstücken zum Verwechseln ähnlich sehen.  Besonders findig: Einige Rocker hatten einen sogenannten Supporter-Patch auf ihren Kutten mit dem Schiftzug „FL“ aufgebracht. Bei der Razzia wurden sie von der Polizei darauf angesprochen, sie erklärten allerdings, dass sie damit ihre Sympathie für das Fürstentum Liechtenstein ausdrücken wollten.  Es besteht der Verdacht, dass dieses nur geschah, um den Fortbestand und die Territorialherrschaft des verbotenen „Hells Angels“-Charters für das Gebiet Flensburg insbesondere auch gegenüber konkurrierenden Motorradclubs zu dokumentieren.

Gegen die Mitglieder des verbotenen Vereins wird wegen Verdacht des Verstoßes gegen das Vereinsgesetz ermittelt. Eine derartige Straftat kann mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder mit Geldstrafe geahndet werden. Bei der Razzia wurden eine Machete, neun Axtstiele, zehn Messer, zwei Hells Angels-Kutten, Computer und Bilder der Mitglieder des verbotenen Vereins nach 2010 sichergestellt. „Eine erste Bewertung der Funde verstärkt den Verdacht, dass der verbotene Verein fortgeführt wurde“, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

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