Bürgerengagement in Flensburg : Helferin der ersten Stunde

Der Handewitter Forst ist für Renate Christiansen ein idealer Ort der Ruhe, Begegnung und Entspannung.
Der Handewitter Forst ist für Renate Christiansen ein idealer Ort der Ruhe, Begegnung und Entspannung.

Renate Christiansen betreut seit 25 Jahren Menschen im Katharinen Hospiz am Park

shz.de von
25. März 2017, 12:24 Uhr


Viele kamen und gingen wieder. Sie blieb. Renate Christiansen arbeitet seit 25 Jahren im Katharinen Hospiz am Park - also seit Anbeginn. Bereits 1991 nahm sie an einem Vorbereitungskurs für ehrenamtliche Helfer teil. Nicht ganz unvorbereitet, denn zuvor schon war sie beim DRK-Besuchsdienst tätig; soziale Themen lagen ihr stets am Herzen. „Schon immer in meinem Leben“, sagt sie, „habe ich mich mit anderen Menschen auseinandergesetzt, war mit teilweise schwierigen und problembeladenen Menschen konfrontiert.“ Daraus entwickelte sie ihre Kraft.
In Kiel geboren, absolvierte die 62-Jährige eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin, arbeitete später im Strafvollzug. Als sie ihren Mann kennenlernte, zog sie zu ihm nach Flensburg. Hauptberuflich arbeitet sie beim TBZ, daneben widmet sie sich der Sterbebegleitung im Hospiz, übernimmt die Betreuung von Kranken in deren Zuhause, im Krankenhaus oder Pflegeheim. Von einer Belastung spricht sie nicht. „Es gibt viele schöne Momente, sehr intensiv, vertrauensvoll, herzlich.“ Geben und Nehmen halten sich die Waage.
Nicht immer aber passt es zusammen. „Es gibt bisweilen auch Ablehnung. Aber meistens läuft es harmonisch.“ Renate Christiansen sieht das Vertrauen als wichtigste Basis. Aber auch Verlässlichkeit auf beiden Seiten. Es gibt viele Fragen und Unsicherheiten bei Angehörigen, denen sie sich stellen muss. Supervision, der Dialog mit Kollegen, mit den professionellen Koordinatoren, Gespräche mit der Hospizleitung helfen ihr dabei. „Ich fühle mich sehr getragen.“
Was bleibt, wenn ein von ihr begleiteter Mensch stirbt? „Sterben ist ein Verlust, auch für mich“, sagt Renate Christiansen. Sie nimmt sich dann eine Auszeit, eine Pause bis zur nächsten Begleitung. „Wichtig ist, dass man von Menschen umgeben ist, die einem gut tun. Und man muss gut für sich selber sorgen.“ Die Flensburgerin geht ins Theater oder in Konzerte, sie reist und liest gern. In der Natur, im Wald oder am Wasser, kommt sie zur Ruhe.
Wie lange sie die Arbeit im Hospiz noch fortführen wird, weiß sie nicht. „Man muss sich selbst hinterfragen, ob alles stimmig ist.“ Das heißt auch, in jeder Minute bei der Sache zu sein, sich voll und ganz auf die Begleitung zu konzentrieren. „Schwerkranke“, sagt Renate Christiansen, „haben ein feines Gespür für die Präsenz und die Wahrhaftigkeit, die dahinter steht.“ Das gilt insbesondere dann, wenn es dem Ende entgegen geht. „Die letzten Momente vor dem Tod sind sehr, sehr intensiv.“

Kontonummer Katharinen Hospiz am Park: IBAN DE24 2175 0000 0000 0563 40Kontonummer Hospiz-Förderverein: IBAN DE912175 0000 0022 0556 07.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen