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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 23:32 Uhr

Handewitt : Helfer für behutsame Integration

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein DRK–Mitarbeiterteam aus Handewitt kümmert sich um Flüchtlinge. Seit drei Monaten gibt es auch eine psychosomatische Anlaufstelle.

shz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 13:00 Uhr

Handewitt | „Ich formuliere es mal etwas zynisch“, sagt Roy Lange. „In den letzten beiden Jahren hat sich die Willkommenskultur zur Abschiebekultur verändert.“ Der Referent für Migration und Flüchtlingshilfe im Kreisverband des DRK hat diese Entwicklung hautnah miterlebt. Es gab die Zeiten, in denen Betten in Turnhallen aufgestellt, 24-Stunden-Dienste geschoben und die Erstaufnahmeeinrichtung in Eggebek mit bis zu 500 Flüchtlingen betreut wurde. Dann schloss Europa seine Grenzen weitgehend, in Schleswig-Holstein werden nun kaum noch Neuankömmlinge registriert.

Innerhalb der Wohlfahrtsverbände lösten diese neuen Rahmenbedingungen, begünstigt durch noch längerfristig laufende Verträge mit dem Staat, eine Neuorientierung aus. Die DRK-Betreuung Nord, getragen von den DRK-Verbänden in Kreis und Stadt, besann sich auf die Felder „kulturelle Teilhabe“ und „behutsame Integration“. Das Ergebnis: Vor ziemlich genau einem Jahr wurde das „Mobile Integrations-Team“ (MiT) mit 20 festen Mitarbeitern gegründet. Es bezog ein Büro im Handewitter Ortsteil Altholzkrug. „Wir wollten mittendrin sein – im Kreisgebiet, aber in der Nähe von Flensburg“, erklärt Roy Lange.

Auf der Suche nach Kooperationspartnern absolvierten er und seine Mitstreiter eine Tour durch die Ämter und amtsfreien Gemeinden. Mit 13 von ihnen entstand eine Zusammenarbeit. Die Pädagogen, Psychologen, Sozialwissenschaftler und Sprachmittler kümmern sich derzeit um 60 Familien und Einzelpersonen und wollen da ansetzen, wo die Kommunen und ehrenamtlichen Lotsen zeitlich und fachlich an ihre Grenzen stoßen. „Wir sind bei Familien, die es nicht so einfach haben und es auch den Ämtern nicht so einfachen machen“, verdeutlicht Roy Lange.

Das Zeitkontingent für eine Familie umfasst 30 Stunden im Monat, wobei die Besuche nach Bedarf gestreut werden. Zum Kennenlernen oder bei Problemen wird der Kontakt intensiviert, in anderen Phasen wird eine Familie auch mal „in Ruhe gelassen“. Zumeist sind Pädagogen und Sprachmittler gemeinsam involviert.

Ein Sonderfall sind acht junge Männer, die als Minderjährige allein nach Deutschland kamen, inzwischen aber volljährig sind. „Die Stadt Flensburg trat an uns heran, ob wir diese Schnittstelle betreuen könnten“, erklärt Roy Lange. „Mit 18 Jahren sind nicht alle Menschen reif.“

Generell reicht das Spektrum der Unterstützung des „MiT“ von der Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen über Hilfestellungen im Alltag bis hin zu Krisenberatungen. Manchmal ist allein das Gespräch schon eine wertvolle Zuwendung. „Manche wurden auf die Dörfer verteilt, treffen dort auf keine Landsleute und fühlen sich einsam“, weiß Pädagogin Ulrike Grote.

Seit drei Monaten gibt es unter dem Dach des „MiT“ auch eine psychosomatische Anlaufstelle, die vom paritätischen Wohlfahrtsverband „Die Brücke“ begleitet wird. „Viele Flüchtlinge leiden unter ihren Erlebnissen, und der Zugang zur medizinischen Behandlung ist nicht leicht“, begründet Roy Lange diesen Schritt. Psychologisch geschulte Kräfte sollen die Wartezeit auf einen Psychotherapeuten mit einer „Erstversorgung“ überbrücken.

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