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Hunde vor der Kamera in Flensburg : Heißes Shooting, kalte Schnauzen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tierfotograf Christian Vieler in Aktion: Mit dem Vierbeiner auf Augenhöhe

shz.de von
erstellt am 08.Jul.2017 | 12:24 Uhr

Einmal, bei einem anderen Foto-Shooting, da war hier Teufel los. „Da hatten wir einfach alle, die kommen wollten, auch reingelassen“, sagt Sven Ove, der Geschäftsführer im Futterhaus Flensburg. „Da zog sich die Schlange noch bis auf den Parkplatz, und zwischen den Hunden ging’s hoch her.“ Diesmal herrscht an der Schleswiger Straße professionelle Disziplin. Man schnüffelt höflich, nur gelegentlich ist ein nasales Fiepen zu vernehmen – die Ruhe liegt an der strikten Begrenzung der Teilnehmerzahl. Nur 20 Hundebesitzer aus der Region Flensburg haben per Online-Ausschreibung einen Termin bei der Fotosession für ihre Vierbeiner ergattert, aber der lohnt sich. Denn hinter der Linse hockt ein Meister. Im vergangenen Jahr ist Christian Vieler aus Waltrop bei Dortmund mit seinen Knautsch-, Knuddel- und Schlabberportraits, ja, man muss es wohl so sagen, weltweit durchgestartet. Im Moment ist er auf Deutschland-Tournee für den bayrischen Futtermittelhersteller Josera. Diese Woche gastierte er in Flensburg. Motto des Tages: Bitte hecheln!

Ist es, weil Mischling „Meeka“ bereits für den weltweit aktiven Tarper Heimtierbedarf-Versender „Trixie“ auf dem Catwalk war? Jedenfalls absolviert die siebenjährige Mischlingshündin ihren Fototermin kühl wie Hundeschnauze und legt sich nach dem fast 30-minütigen Shooting erst mal ein bisschen hin. Zappelig, weil aufgeregter, der nächste Kandidat. Cooper (4). Vielleicht, weil ihm als Rettungshund jeder Glamour völlig fremd ist und er grad’ lieber jemanden aus einer Lawine frei buddeln möchte, als die Häppchen zu fangen, die ihm Christian Vieler zuwirft.

Vieler verfüttert an diesem Tag viele Häppchen, denn seine Kamera wird vom Anpeilen des Hundehappens bis zum finalen Zuschnappen des Fangs den Vorgang in Einzelbilder zerlegen. Wo der Mensch nur eine blitzschnelle Bewegung mit einem finalen Sabberfaden erlebt, macht Vieler bis zum finalen „Fapp!“ die komplette Mimik sichtbar. Und die begeistert immer mehr Menschen. Allein für das Flensburger Shooting meldeten sich fast 400 Leute mit ihren Hunden an. Sechs von 25 Stationen hat die kleine Mannschaft um Christian Vieler schon abgespult. Aber neben der Promotiontour gibt’s auch täglich viel zu tun. „Ich bin ausgebucht“, sagt Vieler. Und strahlt dabei.

Das tierische Vergnügen hat ihn gänzlich unerwartet mit ziemlichem Erfolg überhäuft. Ursprünglich fristete er sein Dasein als Redakteur für kleinere Lifestyle und Gastronomie-Fachpostillen. Den Trick mit der Hundeschauze hatte er vor vier Jahren schon entdeckt, aber nicht die Chancen gesehen. Das änderte sich aber, als Vieler letztes Jahr auf Rat eines Freundes ein paar seiner Tierportraits einer Londoner Fotoagentur zuschickte. „Da brach der Sturm los“, sagt er. Erst rauschte die Welle durch den britischen Blätterwald, von dort schwappte sie auf den Kontinent und dann transatlantisch bis in die USA. Seither kommt er mit dem Fotografieren kaum mehr hinterher. Vieler weiß: „Ich hab’ echt Schwein gehabt mit den Hundebildern.“

Dabei ist die Arbeit für ihn immer noch Vergnügen. „Jeder Hund ist eine andere Persönlichkeit, und jeder Hund kniet sich voll in den Foto-Job rein.“ 30 Minuten Zeit nimmt sich Vieler für jeden Vierbeiner. „Nach dem Shooting sind sie echt erschöpft.“ Vieler aber auch. Nicht nur vom vielen Häppchenwerfen und Auslöserdrücken. Die Arbeit mit den Hunden erfordert viel Konzentration und ab und zu gibt’s dafür auch für den Zweibeiner ein Leckerchen. „Der Chihuahua heute morgen ist über den ausgestreckten Arm auf meine Schulter geklettert und hat mich ausgiebig hinterm Ohr geleckt.“


Näheres: https://www.fotosfreischnauze.de und www.josera.de/fotoroadshow

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