zur Navigation springen

Flüchtlingsstrom am Bahnhof : Heiße Flüchtlingsdebatte im Rat

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heinz-Werner Jezewski (Die Linke) wird stark kritisiert für seine Vorwürfe an die Adresse des Oberbürgermeisters.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Die Nacht zu Donnerstag war für viele lang im Bahnhof. So lang, dass Ratsherr Heinz-Werner Jezewski gestern den Zeitpunkt für eine Generalabrechnung mit dem Oberbürgermeister in der Flüchtlingsfrage für richtig hielt. Er habe in der vergangenen Nacht eine afghanische Flüchtlingsfamilie getroffen, die drei Monate unterwegs war, Griechenland schwimmend erreicht habe, dort drei Tage auf Wasser gewartet und sich später in ungarischem Stacheldraht verfangen habe: „Und der OB kommt gegen Mitternacht, dankt den Helfern und geht wieder“, klagte Jezewski, nachdem Oberbürgermeister Simon Faber die Lage der Flüchtlinge in Flensburg in einer Mitteilungsvorlage im Rat bewertet hatte.

Jezewski warf dem Verwaltungschef vor, die Augen vor der grandiosen Hilfsbereitschaft der Flensburger zu verschließen. Hunderte Menschen hätten am Vorabend Nahrungsmittel und Kleidung gebracht, die Hilfsbereitschaft sei unglaublich. Strukturen wie ein funktionierendes Kleiderlager seien durch Ehrenamtliche entstanden. „Wer hier versagt hat, war der Oberbürgermeister“, schimpfte Jezewski.

Diese Meinung vertrat der Linken-Ratsherr gestern aber exklusiv in der Ratsversammlung. CDU-Chef Arne Rüsemeier, selbst bis zwei Uhr am Morgen im Bahnhof unterwegs, empörte sich über den Vorstoß des Linken: „Ich finde es entwürdigend, wie Sie aus der Notsituation von Menschen politisches Kalkül schlagen wollen“, kritisierte er. Zwar habe er die Verwaltungsspitze spät gesehen. Dennoch müssten alle jetzt an einem Strang ziehen, um diese Situation zu bewältigen. „Es ist dämlich, einen Mann zu beschädigen, der an dieser Situation nichts tun kann.“ Entsetzt äußerte sich auch SSW-Fraktionschefin Susanne Schäfer Quäck. Es sei eine Frechheit, dem Oberbürgermeister vorzuwerfen, dass er nach der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft Flensburg-Glücksburg noch zum Bahnhof gekommen ist.

SPD-Fraktionschef Helmut Trost erklärte, es solle alle stolz machen, wie viele Helfer vor Ort gewesen seien. Er lobte, dass die Verwaltung eine Bereitschaft aufgebaut habe, die zügig Notunterkünfte bereitstellen könne. „Wer so große Qualen auf sich genommen hat, wird sich hier auch nicht mehr aufhalten lassen.“

Ellen Kittel-Wegner von den Grünen erklärte, man brauche keine feurigen Reden, sondern Menschen, die handeln. Am besten solle die Ratsversammlung so schnell wie möglich beendet werden, um den Menschen im Bahnhof zu helfen. Am Sonnabend sei zudem an der Grenze eine Demonstration gegen das Vorgehen der dänischen Seite geplant.

Zuvor hatte OB Simon Faber über das Vorgehen der Stadt berichtet: Er habe veranlasst, dass im Hintergrund eine Bereitschaft aufgebaut worden sei, damit im Notfall schnell Unterkünfte bereitgestellt werden können. Der derzeitige Kraftakt dürfe aber kein Dauerzustand werden. Auch die Rückführung der Geflohenen müsse konsequenter umgesetzt werden. Faber dankte für das überwältigende ehrenamtliche Engagement in Flensburg, dankte aber auch der städtischen Immobilienabteilung, dass man in Flensburg bislang weder auf Turnhallen noch auf andere Lösungen ausweichen müsse: „Mir ist wichtig, dass wir die Menschen, die hier ankommen, positiv empfangen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen