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Zaun-Ärger in Flensburg-Mürwik : Heinz-Krey-Hof: Erbitterter Streit ums Wegerecht

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Anwohner am Heinz-Krey-Hof möchten weiterhin den Verbindungsweg zur Fördestraße nutzen – doch die Grundstückseigner winken ab.

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2017 | 07:31 Uhr

Flensburg | „Moin, wir sind die Aussätzigen“, lautet die lakonische Begrüßung. Anwohner des Heinz-Krey-Hofes in Mürwik fühlen sich ihrer Freiheit beraubt. Der Freiheit nämlich, einen kleinen Verbindungsweg als effiziente Abkürzung von ihren Häusern zur Fördestraße zu nutzen. So wie sie es getan haben, solange sie denken können.

Doch die Investoren des angrenzenden Wohnprojekts „Stadthäuser am Plack“ haben dem buchstäblich einen Riegel vorgeschoben. In der Osterwoche ließen sie einen Zaun installieren, der den Zugang verhindert. Sie haben den Weg als Feuerwehrzufahrt ausgebaut, als Privatweg deklariert und damit vollendete Tatsachen geschaffen. Ihr Projekt hat eine der letzten Baulücken um den Twedter Plack geschlossen und umfasst vier Gebäude mit insgesamt 68 komfortablen Mietwohnungen – fast alle sind bereits bezogen worden.

Manfred Künstler ist schon 1959 in den Heinz-Krey-Hof gezogen. Er erinnert sich, dass der heute umkämpfte Weg schon immer geöffnet war. „Früher war es für Kinder eine willkommene Abkürzung zur Volksschule. Jetzt wohnen hier viele ältere Menschen, die zum Teil nicht mehr gut zu Fuß sind.“ Für sie sei es eine Belastung, jetzt einen Umweg von bis zu zehn Minuten in Kauf zu nehmen, wenn sie zum Twedter Plack, zum Einkaufszentrum oder zur Bushaltestelle wollen. 72 Mietparteien und Eigentümer sind betroffen.

Sie alle verstehen, dass der Weg während der Baumaßnahme der vier neuen Wohnblöcke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. „Der Bauherr hat damals versprochen, den Weg der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen“, sagt Uwe Günther. Noch im Januar sei ihm dies gegenüber persönlich bekräftigt worden. Nun sei das Versprechen gebrochen worden. Seine rhetorische Frage: „Sind wir Anwohner hier Menschen zweiter Klasse? Sind denn die Bewohner dieser neuen Häuser etwas Besseres als wir, nur weil sie sich diese teuren Wohnungen leisten können?“

Eskaliert hier Sozialneid auf engstem Raum? Die Investoren erklären, dass es gute Gründe für ihren Schritt gegeben habe. Denn es sei während der Bauphase bis heute immer wieder zu Polizeieinsätzen gekommen. „Es gab Beschimpfungen gegenüber unseren Mietern und Fälle von Bedrohung und Nötigung.“ Sie verweisen auf einen am Zaun befestigten Zettel, in dem die neuen Nachbarn als „DDR-Romantiker“ bezeichnet werden. Nicht unbedingt ein Kompliment.

„Assozial“: Mit diesem Schreiben wurden die neuen Nachbarn der Stadthäuser an der Fördestraße willkommen geheißen.
„Assozial“: Mit diesem Schreiben wurden die neuen Nachbarn der Stadthäuser an der Fördestraße willkommen geheißen. Foto: sh:z
 

Eine besorgte Mutter beklagt, dass eines Tages von Anwohnern des Heinz-Krey-Hofes ein großes Loch in den Bauzaun geschnitten worden sei, damit man den Weg wieder ungehindert habe nutzen können. Die Rede ist von „Hundekot ohne Ende“, dessen Verursacher identifiziert worden seien. „Horden von jungen Leuten“ würden Scherben von Bierflaschen vor fremder Haustür hinterlassen. „Ich fürchte“, schreibt eine Mieterin, „um die Sicherheit meiner Kinder, die im Erdgeschoss wohnen.“ Was eine über 70-jährige Nachbarin schildert, klingt in der Tat nach einem regelrechten Nachbarschaftskrieg. Ihr Vorgarten sei verwüstet worden, Beete zerstört, Pflanzen gestohlen. Man sei mit Stöcken und Steinen beworfen worden. „Und irgendwann landete ein Bauzaun direkt vor unserem Fenster.“ Da habe sie gerade mal zwei Tage in ihrem neuen Heim gewohnt. „Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Wir hatten regelrecht Angst um unser Leben, mussten uns ins Haus flüchten. Und jetzt trau ich mich nicht mehr raus!“

Das klingt nicht gut. Stadtsprecher Clemens Teschendorf baut auf Fakten. Demnach habe es für den Weg schon immer ein Geh-, Fahr- und Leitungsrecht gegeben. Das sei zu Zeiten des alten Eigentümers, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, so gewesen und gelte auch für den neuen Eigentümer. „Das Recht ist durch den Verkauf des Grundstücks nicht erloschen und muss übernommen werden“, stellt Teschendorf klar. Demnach dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Zaun verschwindet und der Weg wieder öffentlich wird. Wie seit Jahrzehnten schon.

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