Engagement : Havetofter hilft im Jemen beim Kampf gegen die Wasserarmut

Stephan Krämer im Büro.
Stephan Krämer im Büro.

Stephan Krämer aus Havetoft lässt für 600 Bauernfamilien im Jemen Wasser fließen. Seit vier Jahren engagiert er sich dort für das Hilfswerk "Vision Hope International".

shz.de von
13. Juni 2009, 02:07 Uhr

Havetoft | Wenn sich die 15-jährige Nahda heute bis auf die Augen verhüllt auf den Weg zum Wasserholen macht, dann steht ihr ein mehrstündiger Marsch bevor. Kilometerlang geht es bergab bis zur nächsten Quelle und dann mit 20 Kilogramm den Berg hinauf zurück ins Dorf. Gestern war Nahda wieder unterwegs, dabei brannte die Sonne auf sie herunter bei einer Tagestemperatur von 40 Grad und kaum vorhandenen Schatten.

Stephan Krämer (30) ist vor vier Jahren in den Jemen gegangen, um der dörfliche Bevölkerung im Kampf gegen den Wassermangel zu unterstützen. Für die Hilfsorganisation "Vision Hope International" (VHI) sorgt er in den nördlichen Distrikten Mabijan, Schiris und Hajja-Stadt dafür, dass Menschen wie Nahda das Leben erleichtert wird. Der Diplom-Ingenieur leitet das im April angelaufene Projekt "Regenwassersammlung", in dessen Rahmen 26 Zisternen neu gebaut oder instandgesetzt und 30 Hausdächer auf Regenwassersammlung umgestellt werden. In Kooperation mit dem BMZ fließen dafür 122 720 Euro in den Jemen.

Die in der Region lebenden Bauernfamilien gehören zu den ärmsten im Jemen. Mit 1200 Euro pro Jahr müssen sie ihr Leben bestreiten. Ursache ist vor allem der Wassermangel. Im Bergland stehen jedem Einwohner nur drei Liter Wasser pro Tag zur Verfügung. Ein Durchschnittseuropäer verbraucht täglich 220 Liter und muss dafür lediglich einen der vielen Wasserhähne im Haus aufdrehen.

Wenn Krämer von der Arbeit in den Bergdörfern nach Hause kommt, warten in der Wohnung Ehefrau Miriam und Töchterchen Lina (18 Monate) auf ihn. Aus dem Küchenfenster fällt sein Blick auf hohe, unbewaldete und von Trockenheit gezeichnete Berge, die die 30 000-Einwohner-Stadt Hajja umgeben.

Bis zur Geburt der kleinen Lina war auch Miriam Krämer mit im Einsatz, half in einer Welt, die ihrem Mann trotz jahrelanger Erfahrung und Arabisch-Studium verschlossen blieb: der Welt der Frauen. Für sie bot die gelernte Diätassistentin beispielsweise Hygiene-Schulungen an. Nun ist sie zumeist zu Hause.

Wenn sie aus dem Haus geht, trägt sie ein Kopftuch wie die jemenitischen Frauen, und wenn Gäste da sind, sitzen Männer und Frauen in getrennten Räumen. "Das Leben im Jemen verlangt ein gewisses Maß an Anpassung", sagt Stephan Krämer, es gebe einem aber auch viel. Fast beschämt sei er oft von der Selbstlosigkeit und Gastfreundschaft der Menschen, wenn er mit ihnen in ihren Dörfern arbeite, sie ihn zum Essen einladen und er trotz aller Armut das Beste auf den Teller bekomme. "Davon können wir Westeuropäer viel lernen."

Für den arabischen Raum habe er sich schon immer interessiert, sagt Krämer. Deshalb habe er bereits während des Studiums erste Reisen in den Jemen unternommen und später seine Diplomarbeit über die Verbesserung der Wasserversorgung durch Zisternen geschrieben.

Dann bekam er die Chance, seine Ideen in einem Pilotprojekt im Jemen umzusetzen, dabei lernte er das Entwicklungshilfe-Ehepaar Gertud und Matthias Leibbrand kennen, die 2002 die Hilfsorganisation "Vision Hope International" gegründet hatten. 2005 zog er mit Ehefrau Miriam selbst in den Jemen, um Entwicklungsarbeit zu leisten.

Bei dieser Arbeit setzt das Hilfswerk auf eine hohe Eigenbeteiligung der Menschen, um die Akzeptanz für das Geschaffene und die Nachhaltigkeit der Projekte zu erhöhen. Für Stephan Krämer und seine Kollegen bringt dies auch ein Weiteres mit sich, das im Jemen von unschätzbarem Wert ist. "Die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Nichtregierungsorganisationen und den Menschen in den Dörfern sorgt natürlich auch für unsere Sicherheit", sagt Krämer. Zwar sei der Norden relativ sicher, vorsichtig müsse man dennoch sein - insbesondere wenn man sich auf den zweieinhalbstündigen Weg in die Hauptstadt Sanaa mache.

Die junge Familie Krämer hat sich bewusst für ein Leben im Jemen entschieden - um zu helfen und Menschen wie der 15-jährigen Nahda ein besseres Leben zu ermöglichen: Sie wolle die durch die bessere Wasserversorgung ihres Dorfes für sich gewonnene Zeit nutzen, um Bildungsangebote, etwa im Bereich Hygiene, anzunehmen und Geld zu verdienen. Nahda will ihr Leben selbst in die Hand nehmen und den Teufelskreis der Armut, dessen erstes Glied die Wasserarmut ist, durchbrechen.

.www.vision-hope.org

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