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Brandschutz auf See : Havariekommando: Flensburg ist raus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bund-Länder-Pläne für Havariekommando: Flensburg und vier andere Städte werden ausgemustert - und die Einsatzkapazitäten schrumpfen drastisch.

Flensburg | Alarm an Nord- und Ostsee – der Bund und die fünf Küstenländer wollen das Havariekommando Cuxhaven umbauen. Neuer Schwerpunkt der Schiffsbrandbekämpfung und Verletztenversorgung auf Nord- und Ostsee soll die schnelle Erkundung werden. Doch aus Reihen der beteiligten Feuerwehren flammt Kritik auf. Weil die Umstellung auf teure Hubschraubererkundung keine Mehrkosten verursachen darf, werde zu Lasten der Sicherheit an den Einsatzkräften gespart.

Standorte des Havariekommandos.

Standorte des Havariekommandos.

Foto: shz-Grafik/Yalim
 

Fünf von 13 Standorten sollen nach den aktuellen Plänen geschlossen werden. Carsten Herzog, Chef der neben den Wehren aus Stralsund, Wismar, Bremen und Emden vom Ausschluss bedrohten Flensburger Berufsfeuerwehr, sieht für die Brandbekämpfung vor Ort Probleme heraufziehen. „Wenn dann da draußen einer ein Problem bekommt, muss er lange warten.“ Und „da draußen“ ist nicht mehr nur die Handelsschiffahrt. „In den Offshore-Anlagen sind täglich tausende Menschen unterwegs.“

Herzog fürchtet vor allem um die Erstschlagskapazität, sollten die fünf Standorte geschlossen werden. Ein schnelles Lagebild dank Hubschraubererkundung nütze wenig, wenn die Löschkräfte auf See deutlich längere Wege zurückzulegen haben. Für ihn eine empfindliche Schwächung.

Zumal mit einer Neuaufstellung nach den aktuellen Plänen auch drastisch am Personal gespart werden würde. An der deutschen Ostseeküste stünden statt 96 Einsatzkräften künftig nur noch 27 zur Verfügung – eine Schwächung um fast 72 Prozent. An der Nordsee drohe durch den Rückbau ein Verlust von 48,4 Prozent, auf der Elbe immerhin noch um 42,1 Prozent.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt lässt sich in einer Stellungnahme alle Optionen offen. „Es gibt unter fachlichen und wirtschaftlichen Aspekten Notwendigkeiten, die bisherigen Konzepte neu auszurichten“, so sein Sprecher Hendrik Peters auf Anfrage des sh:z. „Als Brückenland haben wir ein besonderes Interesse an einem funktionsfähigen maritimen Notfallmanagement. Wir stehen im Dialog mit allen Feuerwehren, die an dem Konzept mitwirken.“

Flensburgs Feuerwehrchef Herzog befürchtet, das brisante Thema könnte auf dem kleinen Dienstweg der Ministerien lautlos abgewickelt werden. Um das zu verhindern, schlägt er Alarm. Der Aufstellung des Havariekommandos war ein parlamentarischer Beschluss nach der katastrophalen Havarie des Holzfrachters „Pallas“ im Oktober/November 1998 vor Amrum. Und Herzog findet, auch die Neukonzeption der unter dem Eindruck der verheerenden Havarie entstandenen Einrichtung gehört ins Parlament.

Eine Verbündete hat er schon. Die Flensburger Landtagsabgeordnete Simone Lange (SPD). „Das klingt nicht gut“, sagt sie. „Ich halte das Thema absolut für überprüfenswürdig.“ Ihre Wanderuper Landtagskollegin Petra Nicolaisen (CDU) hatte sich auf schriftliche Anfrage des sh:z zum Thema nicht gemeldet.

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erstellt am 29.Mär.2016 | 06:00 Uhr

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