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Glücksburg : „Hauptsache, überhaupt geöffnet“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Öffnungszeiten der Glücksburger Bücherei werden im kommenden Jahr deutlich eingeschränkt. Deshalb sind Zuschüsse von der Bücherzentrale des Landes in Gefahr.

Glücksburg | Die gute Nachricht für die Nutzer der Glücksburger Bücherei zuerst: Die Einrichtung bleibt auch 2017 geöffnet. Die schlechte Nachricht lautet: Die Öffnungszeiten werden eingeschränkt.

Für zwei der drei Mitarbeiterinnen laufen die Arbeitsverträge zum Jahresende aus. Die neuen Verträge sollen unbefristet sein, aber mit verkürzten Arbeitszeiten. Mitarbeiterin Sylvia Huse soll künftig statt 19,5 nur noch 15,5 Stunden pro Woche arbeiten. Die Stelle der Bücherei-Leitung soll von 31 Stunden auf rund zehn Stunden gekürzt werden. Eine langjährige Mitarbeiterin behält ihren Acht-Stunden-Vertrag. Die Öffnungszeiten verringern sich damit um fünf Wochenstunden. Ab Donnerstag, 5. Januar, ist nur noch donnerstags und freitags jeweils von 10 bis 12.30 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet. Bisher war an vier Tagen in der Woche geöffnet.

„Es ist noch nichts unterschrieben“, sagt Bürgermeisterin Kristina Franke, „aber ich bin frohen Mutes“. Immerhin habe der Personalrat in Flensburg zugestimmt, auf eine öffentliche Ausschreibung der Stelle der Bücherei-Leitung zu verzichten. Denn, so verrät Franke, es gäbe eine Diplom-Bibliothekarin in Glücksburg, die bereit wäre, die Stelle mit zehn Wochenstunde zu übernehmen. Die Betreffende selbst wollte während der laufenden Verhandlungen keinen Kommentar abgeben.

Die bisherige Leiterin Stefanie Ritter wird ab Januar 2017 die Leitung einer Fahrbücherei im Kreis Schleswig-Flensburg mit Sitz in Tarp übernehmen. „Ich werde die Glücksburger Leser und mein Glücksburger Team vermissen“, sagt sie. Aber von einer Zehn-Stunden-Stelle könne sie nicht leben. Noch im Herbst hatte Ritter auf Wunsch der Stadt ein Bücherei-Konzept eingereicht. 96  000 Euro veranschlagte sie. Es handelte sich, laut Ritter, um „ein reichhaltiges, auf die Gegebenheiten in Glücksburg zugeschnittenes Angebot. Durch Umstrukturierungen hätten trotz einer leichten Verringerung der Personalstunden die Öffnungszeiten und Dienstleistungen erweitert werden können.“ Doch die Stadt limitierte die Ausgaben auf 75  000 Euro. Hintergrund ist die starke Schuldenlast, die die Stadt zur Kürzung aller freiwilligen Leistungen zwingt.

Die Unterstützung der Glücksburger Bücherei durch die Büchereizentrale Schleswig-Holstein steht wegen der geplanten Kürzungen auf der Kippe. „Wir wissen nichts von der Stadt. Was ich aber klipp und klar sagen kann, ist, dass bei weiteren Einsparungen die höchste Förderungsstufe, die Glücksburg momentan erhält, nicht mehr zu halten ist“, sagt der Leiter der Büchereizentrale Heinz-Jürgen Lorenzen. Es geht um rund 17  000 Euro Zuschuss im Jahr sowie viele Dienstleistungen.

Ein Sprecher des Vereins „Freunde der Stadtbücherei Glücksburg“, Michael Puls, sagt, dass er die Glücksburger Politik für das Thema einer offenen Bücherei gewinnen wolle. Dabei handelt es sich um einen vollautomatisierten Betrieb. Mithilfe spezieller Schranken sowie elektronischer Kennungen in Büchern und Ausweisen können Nutzer 24 Stunden am Tag den Leihverkehr nutzen. Die Anwesenheit von Personal ist dafür nicht erforderlich. 50  000 Euro, schätzt Puls, würde die elektronische Aufrüstung kosten. In Dänemark sei das Prinzip sehr verbreitet.

Kristina Franke findet den persönlichen Kontakt wichtiger als unbegrenzte Öffnungszeiten. Leserin Anne Bauerfeld, die vor drei Jahren von Föhr nach Glücksburg zog, denkt ähnlich. „Hauptsache, überhaupt geöffnet“, meint sie zu den geplanten Kürzungen. Eine Stadt ohne Bücherei wäre für sie weniger attraktiv.

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