Debatte in Flensburg : Hat das Buch noch eine Zukunft?

Bücherfreunde: (v.l.) Birgit Dankert, Swetlana Krätzschmar, Ulf Hansen, Claudia Knauer, Brita Hecker, Marieke Heimburger, Susanne Brandt, Stefanie Oeding.
Bücherfreunde: (v.l.) Birgit Dankert, Swetlana Krätzschmar, Ulf Hansen, Claudia Knauer, Brita Hecker, Marieke Heimburger, Susanne Brandt, Stefanie Oeding.

Experten fordern umfassende Leseförderung und glauben nach wie vor an das gedruckte Wort

shz.de von
25. April 2018, 07:13 Uhr

Am Montagabend trafen sich anlässlich des Welttag des Buches Fachleute aus Buchhandel und Bibliotheken in der Stadtbibliothek. In der Podiumsdiskussion ging es neben der Zukunftsfrage auch um Wege der sinnvollen Förderung von Buch, Literatur und Lesen. Geleitet wurde das Zusammentreffen von Prof. em. Birgit Dankert. Die renommierte Bibliotheks- und Informationswissenschaftlerin startete die Runde mit einer Vorstellung der sechs Diskussionsteilnehmer: Swetlana Krätzschmar (Stadtpräsidentin in Flensburg und Schirmherrin der Aktionen zum Weltbuchtag in Flensburg), Claudia Knauer (Journalistin und Leiterin der Deutschen Zentralbücherei in Apenrade), Ulf Hansen (Buchhändler und Inhaber von Bücher Rüffer), Marieke Heimburger (Übersetzerin von dänischer und englischer Literatur), Susanne Brandt (Lektorin der Büchereizentrale Schleswig-Holstein) und Brita Hecker (Bibliothekarin der Dansk Centralbibliotek Flensburg).

„Sind digitale Medien die Fressfeinde des Buches?“, wollte Dankert zu Beginn von Buchhändler Hansen wissen. Der Experte erklärte, dass es kein „entweder oder“ gebe. Beide Medien würden parallel existieren. Doch es sei nicht abzustreiten, dass das Buch als Leitmedium nicht mehr so hoch im Kurs stehe wie noch vor 20 Jahren. Die digitalen Medien würden viel Zeit in Anspruch nehmen und diese Zeit würde für das Lesen eines Buches fehlen. Die Buchproduktion allerdings nehme nicht ab; vielmehr passe sich das Buch an neue Situationen an. Als Beispiel nannte Hansen Länderkarten: Die klassische Landkarte stirbt aus, dafür gibt es aber immer mehr Fahrrad- und Wanderkarten. „Mir ist um die Zukunft des Buches nicht bange“, so der Buchhändler.

Im Publikum hingegen, das größtenteils aus Personen über 60 Jahren bestand, war die Sorge zu spüren, dass die junge Generation das Lesen eines Buches vollständig verlernen und das Buch als Medium somit irgendwann aussterben könnte. Um dies zu verhindern, bedürfe es einer umfassenden Leseförderung, da waren sich alle Experten einig. Kindern müsse die Begeisterung des Lesens vorgelebt werden – im Elternhaus, in den Kindergärten und Schulen und durch Besuche in Bibliotheken.

„Vorlesen ist die beste Mitgestaltung unser aller Zukunft“, so Stadtpräsidentin Krätzschmar. Man müsse es schaffen, Kinder dazu zu befähigen, selbst zu entscheiden, für welches Bedürfnis sie welche Art von Medium wählen, erklärte Brandt. Um dies zu erreichen, müsse Leseförderung so früh wie möglich beginnen. Am Ende der fast zweistündigen Diskussion waren sich Publikum und Fachleute einig: Die Zukunft des Buches sei nicht gefährdet, solange sich verantwortliche Personen der Aufgabe annehmen, dem Buch mehr Raum zu schaffen und Kindern somit die Chance geben, eigenständig die Leidenschaft fürs Lesen zu entwickeln.

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