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Flensburger Tageblatt

17. November 2017 | 18:47 Uhr

Gefährliche Kreuzung : Hasselberg will Tempo 50

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zweimal lehnte der Kreis eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der B 199 ab – doch die Gemeinde will sie unbedingt.

Hasselberg | „Das Überqueren der Nordstraßen-Kreuzung in Kieholm ist sehr gefährlich“, sagt Johannes Friedrich Greggersen aus Schwackendorf. Der 83-Jährige blickt von einem Grünstreifen an der Einmündung der von Maasholm herbeiführenden Landesstraße 277 aus auf die vorbeirauschenden Fahrzeuge. Tempo 80 ist auf diesem Abschnitt der B  199 erlaubt, aber viele Autofahrer halten sich nicht daran. „Ich habe hier neulich eine Familie mit drei Kindern beobachtet, die mit Rädern über die Kreuzung fahren wollte“, berichtet Greggersen dem Hasselberger Bürgermeister Hans-Heinrich Franke. „Da kamen aus Richtung Kappeln und Gelting Autos angejagt, deren Fahrer nicht bremsten, sondern mehrmals die Hupe betätigten.“ Fußgänger und Radler müssten höllisch aufpassen, um unversehrt über die vier breiten Fahrspuren auf die andere Seite zu gelangen.

Greggersen hat kein Verständnis dafür, dass die Straßenverkehrsbehörde des Kreises den Antrag der Gemeinde Hasselberg auf ein Tempolimit von 50 Stundenkilometern abgelehnt hat – und zwar schon zum zweiten Mal. Bürgermeister Franke ist ebenso sprachlos über die Ablehnung. In dem Brief steht, „nach objektiven Gesichtspunkten“ sei in diesem Bereich durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 50 „keine effektive Verbesserung der Verkehrssicherheit zu bewirken“. Eine konkrete Gefahrenlage bestehe nicht. Das Argument der Kommune, es würden sich seit Jahren im Kreuzungsbereich regelmäßig schwerwiegende Unfälle mit Personen- und hohen Sachschäden ereignen, werde durch die ermittelten polizeilichen Unfallzahlen nicht gestützt, so die Kreisbehörde.

Franke kritisiert: „Diese Feststellung ist eine Lachnummer.“ Jeder könne mit eigenen Augen sehen, dass der Ernteverkehr und in der Hochsaison die Touristen die Nordstraße stark befahren. Greggersen spricht von „einer menschenfeindlichen Einstellung“, wenn die Behörde behaupte, es habe in jüngerer Zeit doch keine Toten in Kieholm gegeben. Ein Einsatzbericht der Feuerwehr Hasselberg verzeichnet einen Verkehrsunfall am 10. April 2015 auf der B  199, Höhe Kreuzung Kieholm. Eine Pakettransporter war mit der Fahrerseite eines Pkw kollidiert. Dabei wurde eine Person aus dem Wagen geschleudert, sie verstarb noch an der Unfallstelle.

Zu denjenigen, die auf diese Gefahrenquelle hinweisen, gehört auch der Kieholmer Grundschulleiter Jörg Koschnitzke. Aus Sicherheitsgründen würden bereits alle Schüler in Bussen befördert. Aber das bange Gefühl bleibe, es könnten an der Kreuzung Kinder zu Schaden kommen. Auch die 75 Jungen und Mädchen aus dem evangelischen Kindergarten und die Sportler, die in die Turnhalle streben, haben es nur einen Steinwurf weit bis zur Kreuzung.

Franke und Greggersen hoffen trotz allem weiterhin auf ein Einlenken der Behörde. Bei einem Tempolimit von 50 Stundenkilometern könnte sogar ein Zebrastreifen angelegt werden. „Dann würden auch die vielen Ausflügler, die auf dem Ostseeküsten-Radweg unterwegs sind, gefahrlos über die Kieholmer Kreuzung gelangen“, sagt er und weist darauf hin, dass auf der Nordstraße bei Munkbrarup längst Tempo 50 vorgeschrieben ist. Greggersen sagt vor seiner nächsten Straßenüberquerung: „Ich will auf keinen Fall hier mein langes Leben verlieren.“

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