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Soldat hilft am Bahnhof : Harte Arbeit wird mit einem Lächeln belohnt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dank seiner Muttersprache lässt die Bundeswehr den aus dem Libanon stammenden Soldaten Mahmoud El Ammar am Bahnhof helfen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Mahmoud El Ammar war im Urlaub und am Bahnhof auf dem Sprung nach Hamburg, um dort einen seiner Brüder zu treffen und mit ihm weiter nach Frankfurt am Main zu fahren. Dort wollten beide dem dritten Bruder bei den Vorbereitungen zur Verlobung helfen. Mahmouds Zug in Flensburg verspätete sich um eine Stunde. Die Situation zwischen Dolmetschern und arabisch-sprachigen Flüchtlingen erschien ihm unsortiert. „Araber sind halt so: Wenn sie reden, sind sie laut“, erklärt Mahmoud und trennte die ruhigen von den lauten Menschen. Er wusste, er hatte eine Stunde Zeit, bis sein Zug fuhr. Dann sei jemand auf ihn zugekommen, der ihn fragte, ob er nicht länger als Dolmetscher helfen könnte. Und Mahmoud sagte zu. Er rief seine Brüder an, erklärte die Situation und fuhr nur übers Wochenende zur Verlobung. „Ich habe meinen Urlaub am Bahnhof verbracht. Das war aber positiv, ich bereue es nicht.“

Mahmoud wird Mitte November 27 Jahre alt und ist Stabsgefreiter der Bundeswehr. Drei Jahre sei er in Husum gewesen, seit einem halben Jahr in Flensburg bei einer Einheit der Schule für Strategische Aufklärung der Bundeswehr, in der er sich wohl fühle. Der junge, freundliche Mann stammt aus dem Libanon. Zwei Monate sei er alt gewesen, als seine Eltern mit den anderen Geschwistern aus den Bergen, anderthalb Stunden von der Hauptstadt Beirut entfernt, flüchteten. Die Eltern seien nach 26 Jahren in Deutschland wieder zurück in die Heimat gegangen, die Schwester auch: Sie wolle dort nach ihrer Ausbildung zur Zahnarzthelferin Zahnmedizin studieren. Die Jungs seien alle „selbständig, haben Ziele und keine Schulden“, sagt Mahmoud nicht ohne Stolz und zählt die Karrieren auf: Bauingenieur, Restaurantleiter auf einem Kreuzfahrtschiff, leitender Angestellter bei einer Versicherung.

Während des Gesprächs tritt eine adrette Frau in frischen Pastellfarben und mit schwarzem Kopftuch auf Mahmoud zu. Beide sprechen Arabisch, dann Deutsch. Die Dame, die aus dem marokkanischen Marrakech stammt, bietet an, drei Mal wöchentlich für je zwei Stunden beim Übersetzen am Bahnhof zu helfen. Mahmoud bedankt sich und bittet sie, ihren Namen und eine Telefonnummer am Infotresen zu hinterlassen. Eine Frau als Dolmetscherin sei immer gut, sagt Mahmoud lächelnd, denn manche Flüchtlinge vertrauten sich in manchen Angelegenheiten nicht so gern Männern an, etwa wenn es um Unterwäsche gehe.

Von seinem Vater, der General bei der libanesischen Armee war, dann Gärtner in Deutschland und nun von einer Obstplantage lebt, habe er Bodenständigkeit und Geben und Nehmen gelernt, sagt Mahmoud. Außerdem verlangte der Vater von seinen Kindern, zunächst etwas Handwerkliches zu erlernen, damit die sich als Rentner nicht langweilen.

Mahmoud El Ammar will sich für weitere acht Jahre verpflichten bei der Bundeswehr. In den nächsten Tagen entscheide sich, ob und wie lange er weiterhin als arabisch-sprachiger Dolmetscher am Bahnhof helfen könne, sagt er. Diese Hilfe sei im „Gesamtkonzept helfende Hände zu sehen“, erläutert Mahmouds Vorgesetzter, Oberstleutnant Torsten Grefe. „Wir sind froh, dass wir den Kameraden einbringen und damit den Menschen helfen können.“ Der stellvertretende Kommandeur der Schule für Strategische Aufklärung betont, dass dies aufgrund der „besonderen, muttersprachlichen Fähigkeiten“, die El Ammar mitbringt, ermöglicht werden könne. Dies werde solange wie möglich unterstützt. „Wir helfen im Rahmen der maximalen Kulanz“, sagt Grefe. „Für so ein Lächeln lohnt es sich, tagtäglich am Bahnhof zu sein“, schreibt Mahmoud mit drei Ausrufezeichen über ein Kinderlächeln.

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