Nachbarschaftsstreit : Harrislee: Vögel sind hier unerwünscht

Eingerahmt von Geranien: Das Vogelhäuschen und die Meisenknödel müssen vom Balkon verschwinden – zum Leidwesen von Helga Domnick.
Eingerahmt von Geranien: Das Vogelhäuschen und die Meisenknödel müssen vom Balkon verschwinden – zum Leidwesen von Helga Domnick.

Für Helga Domnick und ihren schwer kranken Partner ist ihre Loggia eine kleine Oase – doch Nachbarn beschweren sich über die Vögel. Nun sollen die Nistkästen und Futterhäuschen vom Balkon entfernt werden.

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15. Juli 2014, 19:03 Uhr

Harrislee | Der Balkon von Helga Domnick ist ein kleines Naturparadies. Blumen in Hülle und Fülle – Blaumeisen, Grünfinken und Sperlinge fliegen ein und aus, sogar ein Buntspecht lässt sich gelegentlich blicken. Das ist kein Zufall, sondern zwei Nistkästen, einem schmucken Vogelhäuschen und einem Dutzend Meisenknödel zu verdanken. Die müssen nun weg – fordern Nachbarn. „Füttern verboten“, sagt Helga Domnick, „hat eine Mitarbeiterin der Gewoba bei einem Hausbesuch gefordert.“ Diese Aussage hat die Gewoba, die das Mehrfamilienhaus an der Hohen Mark verwaltet, auf Nachfrage des Flensburger Tageblatts inzwischen relativiert.

Für Helga Domnick und ganz besonders für ihren Partner Volker Dolega ist die kleine Loggia von besonderer Bedeutung: Der 60-Jährige, der als Kind schon Asthma hatte, leidet an einer schweren Krankheit, die ihn ans Haus fesselt: COPD – eine chronische Verengung der Atemwege, die letztlich zur Zerstörung des Lungengewebes führen kann. Die niederschmetternde Diagnose überbrachten Ärzte vor gut zwei Jahren. „Ich weiß, dass ich unheilbar krank bin“, sagt Dolega. Ein in die Nase führender Schlauch sorgt für die Sauerstoffzufuhr rund um die Uhr. Für einen Spaziergang fühlt er sich zu schwach, obwohl dies mit Rollator und einem mobilen Sauerstoffbehälter theoretisch möglich wäre. „Da ich nicht in die Natur gehen kann“, sagt der gelernte Fernsehtechniker, „habe ich sie mir in die Wohnung geholt.“

Offenbar haben seine Nachbarn sehr empfindliche Ohren – oder Wände und Decken sind besonders dünn. „Man hat sich schon beschwert, wenn ich nachts hustete oder vor Schmerzen stöhnte“, sagt der Rentner. Selbst über das Schütteln eines Würfelbechers. „Und nun haben sie die Vermieterin auf den Plan gerufen und die Zustände auf dem Balkon angeprangert.“ Die Mitarbeiterin der Gewoba habe ausdrücklich gefordert, die Fütterung einzustellen und Nistkästen sowie Futterhäuschen zu entfernen. Dabei gehe es weniger um Lärm, als um herumfliegendes Futter und Vogelkot.

„Ich kann die Beschwerden nicht verstehen“, sagt Helga Domnick. Schließlich handele es sich nicht um einen Außenbalkon, sondern um eine Loggia, die überdacht ist und innerhalb des Gebäudes liegt, so dass der Wind kaum etwas nach draußen tragen könne. „Harrislee nennt sich doch das Dorf im Grünen, und Vögel gehören dazu.“

Volker Dolega hat sich schlau gemacht und weiß, dass das Recht auf der Seite des Mieters liegt. Das weiß auch Gewoba-Abteilungsleiter Dirk Schmidt. „Wir können das juristisch nicht verbieten. Es geht uns aber darum, dass die Fütterung eingeschränkt wird.“ Vielleicht habe das Paar seine Kollegin lediglich missverstanden. „Alles eine Frage der Kommunikation.“

Volker Dolega hingegen will an dem gegenwärtigen Zustand festhalten. Seine Partnerin kann das gut nachvollziehen. „Der Balkon und die Vögel geben ihm Lebensmut“, sagt Helga Domnick, „da freut er sich immer so.“

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