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Ideenwettbewerb zur Zwischennutzung : Harniskaispitze: Public Viewing zur EM sorgt für Ärger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Extrawurst im Ideenwettbewerb oder Service zur Europameisterschaft? Nach einem Vorstoß von Förde Show Concept für die Harniskaispitze gibt es Irritationen.

Ist der Wettbewerb der Ideen zur Zwischennutzung der Harniskaispitze seit 1. April ein Wettlauf der ungleichen Chancen geworden? Am 1. April bekam das von Oberbürgermeister Simon Faber vorgestellte Projekt eine neue Qualität und – wie manche Kommunalpolitiker fürchten – eine Überholspur für einen privilegierten Wettbewerber. Während alle anderen Bewerber dem erst für Ende Mai vorgesehenen Auswahl- und Präsentationsverfahren entgegenzuckeln, hat einer am kommenden Donnerstag auf Einladung der Verwaltung schon ein exklusives Rendezvous mit den politischen Entscheidungsträgern: Peter Thomsen. Der Chef des Flens-Arena-Betreibers Förde Show Concept präsentiert den planungspolitischen Sprechern der Fraktionen seine Ideen zur Harniskaispitze. Projektname: „Werftblick“.

Laut Projektbeschreibung ist Werftblick eine Mischung aus Lounge, Bar und Bühne mit Musik, Kleinkunst, Kino, Sport und Bier. Am 10. Juni soll das für diesen Sommer wohl wichtigste Requisit startklar sein: die LED-Wand für das Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft. Das ist ein ziemliches Tempo und definitiv zu schnell für den ursprünglichen Zeitplan der Stadt, der Mitte Juni erst die siegreichen Ideen vorstellen wollte. Die ursprünglich angekündigte Transparenz, öffentliche Diskussion und Präsentation scheinen dabei über Bord gegangen zu sein. Das Thema Werftblick jedenfalls soll nicht öffentlich gemeinsam mit den anderen bis 15. April eingegangenen, überwiegend nicht kommerziellen Vorschlägen im Planungsausschusses behandelt werden.

Dass dort Chancengleichheit herrscht, glauben drei Fraktionen schon mal nicht. SSW, WiF und Linke reagieren ausgesprochen misstrauisch. Linkspartei-Vorsitzende Gabi Ritter sieht durch die Abkopplung des Bewerbers FSC aus dem für alle anderen geltenden Verfahren eine Vorauswahl. Ihre Forderung: „Alle Ideengeber sollten die gleiche Gelegenheit bekommen, ihr Projekt persönlich vorzustellen. Die Ideen werden alle diskutiert, wenn möglich koordiniert und das Ergebnis im Planungsausschuss zur Abstimmung gegeben.“

Glenn Dierking (SSW) wundert sich. „Da wird jemandem eine Extrawurst gebraten. Diese schnelle Vorgehensweise gefällt mir nicht“, so der planungspolitische SSW-Sprecher. „Auf keinen Fall darf diese Nutzung den Rahmen für andere Ideen des Wettbewerbs setzen. Erika Vollmer hätte gereicht, wenn Thomsen sein Exposé eingereicht und auf die Powerpoint-Präsentation verzichtet hätte. „Es darf keine Vorauswahl durch die Verwaltung und keine Sonderbehandlung dieses Bewerbers geben.“

SPD-Vormann Helmut Trost fordert: keine Benachteiligung anderer Vorschläge, nach Abschluss des Auswahlverfahrens schnellstmöglich eine Bewertungs- und Beschlussvorlage, und unbedingt ein Public Viewing für die Sportstadt Flensburg. Er gibt Kritikern zu bedenken: Thomsens Engagement könnte auch wertvolle Synergieeffekte für andere Bewerber erzeugen.

Bewerber Peter Thomsen versteht die ganze Aufregung nicht. „Mir geht es einzig und allein um das Public Viewing“, sagt Peter Thomsen. Das sei, was im Moment einzig und allein interessiere. Alles andere seien reine Ideen. „Der übrige Wettbewerb ist davon in keiner Weise berührt“, betont Thomsen. Ziel sei nicht, an Ort und Stelle ein Präjudiz zu schaffen, sondern eine rechtzeitige Standortentscheidung für die LED-Wand zu treffen. Diese Entscheidung sei vom übrigen Ideenwettbewerb in der Tat abgekoppelt, dort gefundene andere Nutzungsideen stehe Förde Show Concept nicht im Weg.

Dies sei auch Bedingung der Stadt, so Verwaltungssprecherin Asta Simon. Der laufende Ideenwettbewerb, Auswahl und Umsetzung der besten Ideen dürften durch das FSC-Engagement nicht gestört oder gar blockiert werden. „Es geht uns nur darum, eine vorübergehende Nutzung vorzuziehen.“

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erstellt am 05.Apr.2016 | 07:11 Uhr

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