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Rüstiger Rentner : Hans-Wilhelm Harloff: Von Karstadt zur Kirche

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Küster von St. Nikolai wird morgen Vormittag im Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Seit 2001 hat er in der Gemeinde als Küster und Hausmeister gearbeitet.

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erstellt am 14.Mär.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Es war im Jahr 1978, als Hans-Wilhelm Harloff sich aus Ostholstein Richtung Norden aufmachte: „Die großen Schilder wiesen alle nach Flensburg“, sagt der 65-Jährige lächelnd: „Da dachte ich mir: Da muss ich hin.“ So kam es, dass der ausgebildete Elektriker Jobsucher an der Förde wurde.

Wenn Harloff morgen in St. Nikolai (Gottesdienst um 9.30 Uhr) in den Ruhestand verabschiedet wird, blickt er auf ein bewegtes Berufsleben zurück. Zunächst heuerte er bei Hertie an – als Aushilfe in der Camping-Abteilung. Eine Festanstellung fand er ein Jahr später bei Karstadt, im früheren Haus am Holm (Höhe Nikolaistraße) – erst im Lager, danach im Verkauf für Fahrräder und der Handwerksabteilung für Werkzeuge. Als das alte Karstadt-Haus 1995 schloss, stand Harloff, obwohl Betriebsrat, auf der Straße.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Harloff bereits seit fünf Jahren ehrenamtlich im Kirchengemeinderat gearbeitet. So kam es, dass er sich auf die Küsterstelle der Nikolai-Kirche bewarb. Den Job konnte er allerdings erst anderthalb Jahre später antreten, weshalb er zunächst „zbV – zur besonderen Verwendung“ bei Real im Förde-Park anheuerte – und vier Jahre lang beide Jobs halbtags erledigte. Bis 2001: Seitdem ist er nicht nur Küster in St. Nikolai, sondern auch zwei Tage die Woche Hausmeister im Diakonischen Werk.

In dieser Verbindung ist Hans-Wilhelm Harloff in den vergangen 14 Jahren zwischen Johanniskirchhof und Südermarkt zu einem der bekanntesten Gesichter der Innenstadt geworden. Er begleitet nicht nur Pastor Bornemann bei all seinen Aufgaben, bereitet Veranstaltungen und Konzerte vor, teilt Gesangbücher aus und führt in den Nikolai-Turm. Sein Lieblingsort ist irgendwo zwischen der zehnten und der zwölften Reihe in der Kirche. Dort hat er immer die Augenblicke der Stille genossen. Ebenso schätzt er aber die Gespräche in der Gemeinde: „Im Glauben kann man die Freiheit für sich selbst empfinden – und für die anderen.“ Einmal kam er in die Kirche, und ein Mann habe versuchte, den wohl 100 Kilo schweren Opferstock zu stehlen. Dann sei er aber noch in der Kirche zusammengebrochen: „Ich war behilflich, wieder aufzustehen“, sagt Harloff. Daraufhin beauftragte er einen Schlosser, um den Opferstock in der Wand zu befestigen. Ob in der Kirche oder auf dem Südermarkt: Man kann viele Flensburger fragen – Hans-Wilhelm Harloff kommt mit seiner zurückhaltenden, humorvollen Art immer gut an. Bei den Wahlen zum Kirchengemeinderat soll er stets die höchste Zustimmungsquote bekommen haben.

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