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DGB-Umfrage im Flensburger Kammerbezirk : Handwerker spüren immer mehr Druck

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mitarbeiter beklagen geringe Wertschätzung ihrer Arbeit in den Betrieben

Die anhaltend gute Wirtschaftslage im regionalen Handwerk steht vielfach im Gegensatz zum Betriebsklima bei den rund 60000 Beschäftigten im Bezirk der Flensburger Handwerkskammer. Immer mehr Zeitdruck, Hetze und eine viel zu geringe Wertschätzung durch die Vorgesetzten beklagen Arbeitnehmer in einer gestern vorgelegten Handwerksumfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Nach Angaben von Susanne Uhl, Chefin des DGB Schleswig-Holstein Nordwest, hatten 527 Beschäftigte an der Umfrage teilgenommen. Am stärksten war der Rücklauf bei den Gebäudereinigern (225), gefolgt vom Bauhaupt- und -nebengewerbe mit Zimmerern, Malern, Tischlern oder Elektrikern (164), Bäckereien (83) und dem Kfz-Handwerk (26). Nebenbei erfuhr die regionale DGB-Spitze, was die Handwerksbelegschaften in der Region darüber hinaus sorgt: „Viele Beschäftigte im Bauhauptgewerbe sind unsicher über ihre Rentenansprüche“, erklärte Uhl.

Als besonders besorgniserregend angesichts anhaltend guter Handwerkskonjunktur empfand DGB-Chefin Uhl: 66 Prozent der Beschäftigten gaben an, dass sie in den – überwiegend kleinen – Betrieben nur geringe Wertschätzung erfahren. Ein durchschnittlicher Handwerksbetrieb in der Region hat fünf bis sechs Beschäftigte. Nur zwei Prozent der befragten Handwerker gaben an, sich richtig gut wertgeschätzt zu fühlen, weitere 32 Prozent erklärten immerhin, die entgegengebrachte Anerkennung reiche ihnen aus.

Die Frage der Wertschätzung machten viele Mitarbeiter daran fest, ob sie Mitspracherechte hätten zum Beispiel bei der Dienstplangestaltung. Dies zeige sich vor allem dort, wo die Teilzeit- und Frauenquote unter den Beschäftigten besonders hoch sei – in den Bäckereien und im Gebäudereinigerhandwerk. Und genau dort seien die Urteile besonders mies: 86 Prozent der Bäckereifachverkäufer und 72 Prozent der Gebäudereiniger klagten über geringe Wertschätzung – und manch einer fühle sich sogar ohne Grund vom Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Insgesamt spürten 84 Prozent der Arbeitnehmer die zunehmende Arbeitsverdichtung, 42 Prozent fühlen sich sehr häufig unter Zeitdruck, ebenso viele fühlten sich oft gehetzt. DGB-Chefin Susanne Uhl berichtete, dass 93 Prozent der Befragten sogar angaben, dass sie in der gleichen Zeit immer mehr schaffen müssten.

Regelmäßig Überstunden fallen bei 73 Prozent der Handwerker an – und nur 44 Prozent von ihnen bekämen sie immer in Geld oder als Freizeit ausgeglichen. 17 Prozent der Befragten berichteten sogar, dass sie nie irgendeinen Ausgleich für Überstunden bekämen. Vor allem Teilzeitkräfte in den Bäckereien und bei den Gebäudereinigern würden gerne mehr arbeiten: „Viele, die ihr Leben lang arbeiten, wissen, dass es nicht für die Rente reicht“, sagte Flensburgs DGB-Chef Joachim Sopha, selbst Bäckermeister bei Meesenburg in Weiche. Und gerade am Bau müssten sich viele Handwerker aus körperlichen Gründen früh umorientieren: „Als Zimmerer fangen sie mit 35 Jahren an, sich nach einem anderen Beruf umzugucken“, sagte Sopha, der gleichzeitig Vize-Präsident der Flensburger Handwerkskammer ist: „Wir werden die Ergebnisse in die Gremien mit den Arbeitgebern tragen.“ Sopha berichtete von Bäckereien, die den Verkäuferinnen Ziele vorgeben, die man gar nicht erreichen könne: „Das ist frustrierend.“ Dennoch sei die Loyalität des Personals gegenüber ihren Betrieben noch erstaunlich hoch: „Wenn Gebäudereiniger eine Fläche in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen, machen viele es trotzdem fertig – umsonst.“

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erstellt am 15.Dez.2016 | 06:15 Uhr

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