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Ausbildung : Handwerk will Studienabbrecher ansprechen

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Immer mehr Menschen in Deutschland studieren – viele scheitern. Die Handwerkskammer spricht von einem „Akademisierungswahn“. In Flensburg will man nun an jene herantreten, die mit dem Studium nicht glücklich geworden sind.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2014 | 17:39 Uhr

Flensburg | Vor einem „Akademisierungswahn“ in Deutschland hat der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Flensburg, Udo Hansen, gewarnt. „Eine Volkswirtschaft lebt von einer funktionierenden Industrie und einer funktionierenden Mittelschicht“, sagte Hansen kurz vor der Wahl eines neuen Kammer-Präsidenten am Mittwoch. Der Wirtschaftsstandort Deutschland sei wegen seiner hohen Zahl von Facharbeitern und Gesellen so erfolgreich. Das Handwerk werde sich bei der Nachwuchsgewinnung zunehmend auch um Studienabbrecher kümmern müssen. Diese Entwicklung sei allerdings erst am Anfang.

Auch um junge Frauen, Jugendliche mit Migrationshintergrund und junge Menschen mit höherer Schulbildung müsse das Handwerk werben. An Gymnasien etwa sei Interesse sowohl bei Lehrern als auch Schülern vorhanden. Seit etwa drei Jahren informiert das Handwerk im Norden die Schüler über Ausbildungschancen.

Zur Lage des Handwerks im Bereich der Flensburger Kammer äußerte sich Hansen zufrieden. In einer Befragung hätten 88 Prozent der kontaktierten Betriebe angegeben, ihre Lage im ersten Quartal 2014 sei gut gewesen oder sie seien zufrieden. „Einer der besten Werte, die wir je hatten“, sagte Hansen. Die Zahl der Ausbildungsverträge sei gegenüber dem Vorjahr unverändert.

Generelle Nachwuchssorgen gebe es nicht, allerdings hätten einige Lebensmittelgewerke wie etwa Bäckereien oder technisch anspruchsvolle Gewerke wie das Elektrohandwerk Schwierigkeiten, Auszubildende zu gewinnen.

Negativ bewertet Hansen dagegen die gewachsene Zahl zulassungsfreier Berufe im Handwerk. Die Zahl der Lehrlinge in diesen Bereichen sei im Verhältnis zur Zahl der Betriebe drastisch gesunken. Jeder könne sich selbstständig machen, ohne jede Erfahrung. Resultat: Mehr Anfragen bei Sachverständigen.

Pläne der EU, den deutschen Meisterbrief aufzuweichen, sind allerdings erst einmal vom Tisch. Bei weiteren Angriffen auf den Meisterbrief setzt Hansen auf die Bundesregierung: Die habe immerhin im Koalitionsvertrag angekündigt, Angriffe abwehren zu wollen.

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